25.12.14

Nun war es also so
weit. Am 1. Weihnachtsfeiertag bin ich noch mit Manu in ein nahe gelegenes Dorf
gegangen, wo wir uns mit taubstummen Freunden zum Fufustampfen verabredet
hatten. Manu arbeitet nämlich in einer Schule für taubstumme Kinder und
Jugendliche. Das Essen machen war wirklich anstrengend, vor allem das
Fufustampfen, wobei man gekochtes Yams in einem ausgehöhlten Baumstamm,
mithilfe eines großen Holzstampfers mit vollem Körpereinsatz zu einem festen
Brei stampft. Dazu gab es Erdnusssoße, meine Lieblingssoße. Am Nachmittag haben
wir uns alle bei Klara und Pauline(auch Freiwillige aus Deutschland) getroffen
und haben dort ein vorher geplantes Wichteln durchgeführt. Wobei jeder einen
Namen gezogen hatte und diesem dann sein Geschenk übergeben hat. Ich habe eine
sehr schöne Holzschale und Kekse geschenkt bekommen. Zurück bei mir gab es noch
Abendbrot und dann bin ich auch bald schon ins Bett, denn um 2:30 Uhr sollte
der Wecker klingeln.
26.12.14
Nachdem
ich mühsam aus dem Bett gestiegen bin und die letzten Dinge in meinen, sowieso
schon überfüllten Rucksack gequetscht hatte, hupte schon das Taxi vor der Tür
und Manu und Simon haben mich abgeholt. Überraschenderweise haben wir sogar
noch zwei weitere Mitfahrer mit Fahrziel Lomé gefunden und dass mitten in der
Nacht. Gegen 5:30 Uhr waren wir auch schon in Lomé, es ging wirklich flott,
denn niemand war auf den Straßen unterwegs. Die Musik im Auto war auch sehr
speziell, denn bei dem Titanic Schlager My
Heart Will Go On, musste ich mich manchmal fragen, ob ich im richtigen Film
bin…

Nach einer kurzen
Wartezeit sind wir mit ausreichend Zutrinken in den klimatisierten Großbus, mit
5 Sitzen in einer Reihe eingestiegen. So einfach wie das klingen mag ist das
aber keinen Falls, gedrückt, gedrängelt, geschubst und gezerrt wird, als ob alle
Angst haben, dass es nicht genügend Plätze für alle geben könnte; ich habe
gehofft, dass dies nicht der Fall ist. Fast pünktlich um 7:45 Uhr verließ der
Bus die Haltestelle und machte sich auf in Richtung Kara, die zweite Hauptstadt
Togos. Das ständige Hupen gehört natürlich mit dazu, denn wir können eh nicht
so schnell bremsen… Die Straßen sind erstaunlich gut und nur alle paar hundert
Meter müssen wir einem Schlagloch ausweichen.
Um 13:00 Uhr waren wir dann auch schon da, zuvor hatten wir Stopps in Atakpamé
und Sokodé gemacht. Kurz vor Kara geschah etwas unglaubliches, die Straße wurde
eben, es gab Mittelmarkierungen und Fahrbahnbegrenzungen, man fühlte sich wie
in Amerika; überall waren Straßenschilder, Geschwindigkeitsbegrenzungen,
Vorfahrten usw., aus welchem Grund auch immer waren wir aber die einzigen
Verkehrsteilnehmer auf der Straße, sie muss wohl noch etwas geschont werden. In
Kara, haben wir unser Gepäck abgeladen und bald wurden wir von einer
Freiwilligen Catharina abgeholt und zu ihrem Projektgelände von Don Bosco
gebracht. Das war auch wirklich erstaunlich. Wir haben den Essensraum betreten,
der in einer Kuppelform gebaut war, an den Wänden schöne Gemälde und in der
Küche: Toaster, Kaffeemaschine, Kühlschrank, Kühltruhe und echte Milch. Das ist
hier nicht so normal, total überwältigend sogar, denn wir sind solch einen
Luxus nicht mehr gewohnt…

Es sollen noch zwei
Wochen folgen, um hierdraus nicht einen Roman zu machen, möchte ich im
Folgenden nur die beeindruckensten Erlebnisse kurz schildern.
In
Kara sollten wir drei Nächte bleiben und dass alles ganz kostenlos inklusive
sehr feinen Essens und netter Kompanie. Denn 8 „Väter“ leben vor Ort, die sich
um die Schulen, Ausbildungsstätten und Auffanglager für die Kinder und
Jugendlichen von der Straße kümmern. Ein zweiter Freiwilliger aus Deutschland,
Gregor, arbeitet in dem Foyer für Jungen, wo er von morgens um 5:00 Uhr bis
abends um 22:00 Uhr arbeitet und dort auch schläft. Er beaufsichtigt und bespaßt
die Kinder und gibt Nachhilfe. Ein wahnsinniges Engagement, deswegen sind wir
ja aber auch hier, um den Menschen zu helfen.
Weiterhin haben wir das
Dorf des Präsidenten Namens Pya besucht. Leider zu einem etwas ungünstigen
Zeitpunkt, denn der Präsident sollte am selben Tag anreisen und deswegen war es
nicht erlaubt in die Nähe des Palastes zu gelangen. Wir haben aber leckeres
Fufu gegessen und sind einen Berg hinaufgestiegen von wo wir den Palast auch
sehen konnten.
Der
nächste Tag sollte uns zu einem beeindruckenden UNESCO Weltkulturerbe führen.
Wir hatten am Vorabend eine andere Freiwillige getroffen, die das gleiche Ziel
mit ihrer sie besuchenden Familie hatte. Kurzentschlossen haben wir uns
zusammengetan und sind mit zwei Taxis in Richtung beninische Grenze nach
Kutamaku gefahren.
Das sind zweistöckige
Lehmfestungen, die von Burkina Faso Flüchtlingen, die vor den Sklavenhändlern
wegrannten, gebaut wurden. Neben der unglaublich ausgeklügelten Bauweise hat
uns ein Konvoi aus drei Land Rovern abgelenkt, aus dem ein paar Menschen in
Anzügen ausstiegen und an

fingen rote 1000 CFA (etwa 1.50€) an die Kinder,
Männer und Frauen des Dorfes zu verteilen. Wie sich herausstellte, war das ein
Minister, der ein bisschen produktiven Wahlkampf betrieb…
Anschießend
haben wir noch das erste bewohnte „Haus“, einen hohlen Baobab Baum besucht und
sind dann zu einem Restaurant gefahren, wo es auch einen Souvenir Shop gab,
sowie ein Museum, wo wir auch eine nette Führung gemacht haben und so ein wenig
über die Kultur erfahren haben. Interessanterweise gab es unter den
traditionellen Musikinstrumenten auch ein Saiteninstrument nämlich die Gambe.
Am nächsten Tag sollte
es weiter in den Norden gehen, nach Dapaong. Leider waren alle großen Busse
schon ausgebucht und wir wollten nicht bis nachmittags warten und dann nachts
in der Herberge ankommen. Wir sind also mit dem Moto zur Tankstelle gefahren,
ein Bus stand bereit und wo sollte der hinfahren? Nach Dapaong! Nah so ein
Zufall, nach 1.5 Stunden wurde der letzte Koffer auf dem Dach des
TroTros(Minibus) festgeschnürt und wir konnten endlich unsere Reise
fortsetzten. Mit im Bus war auch ein kleiner Affe, der als Haustier gehalten
wurde. Bis auf eine kleine Autopanne verlief die Fahrt ohne Probleme. In
Dapaong haben wir einfach nur ein wenig eine Stadttour gemacht, wobei es schon
auffiel, dass es sehr viel weniger Bäume gab und der Harmattan deutlich zu
spüren war. Das ist ein Wind von der Sahara, der viel Staub mit sich bringt und
nachts sehr kalt ist. Dass ich jemals in Afrika frieren würde hätte ich nicht
für möglich gehalten. Im Hotel hatten wir die Deutsche Welle im Fernsehen
geschaut und es wurde ein Beitrag über Steuerbetrug gezeigt, lustiger Weise
wurde in Berlin Mitte die Stadträtin interviewed, mit der ich im
BezirksSchulBeirat zusammen gearbeitet habe. So klein ist die Welt, dacht ich
mir da nur… Um 11 Uhr am folgenden Tag
war geplant, dass uns ein Taxi aus Ghana abholt und zur Freundin von Manu
fährt.

Leider wurde uns kein
präziser Ort genannt und wir musste aus mehreren Orten auf gut Glück einen
auswählen, bei dem wir dann auch noch satte 2.5h warten mussten. Wir haben uns
die Zeit aber mit einer Partie Schach vertrieben, was viele Menschen besonders
Ältere anzog, die alle sehr bestaunt das Spielgetriebe begutachteten. Einige
gaben Tipps aus Spielen, die sie kannten, u.a. auch Dame, Schach war den
Meisten aber glaube ich kein Begriff… Als dann endlich der Taxifahrer kam, gab
es großen Stress, da er auf einem privaten Taxistand geparkt hatte, nur nach
großer Diskussion, denn er hatte extra deswegen einen Passierschein beantragt,
konnten wir dann unter Stunk der anderen Taxifahrer in Richtung Ghana
aufbrechen.
Der
Grenzübergang sollte die nächste große Hürde sein, die überwunden werden
musste. Der Taxifahrer ist noch nie mit Weißen über die Grenze gefahren und
hatte dementsprechend keine Ahnung was man alles als visumspflichtiger Mensch
machen muss, denn Einheimische dürfen im ganzen Westen Afrikas frei und ohne
Visa reisen. Wir sind ohne jeglichen Stempel aus Togo ausgereist und auch ohne
große Probleme durch die Zollkontrolle von Togo gekommen, bis uns der Fahrer
aber erklärt hatte, dass wir noch nicht in Ghana sind, und noch nicht illegal
ohne Stempel eingereist sind vergingen einige schweißgetriebene Momente… Dann noch durch die Zollkontrolle von Ghana
und dann schlussendlich zum Immigrationsservice von Ghana.

Zu Erst wurde uns
gesagt, wir hätten gar kein Visum für Ghana. Nachdem wir darauf bestanden
haben, dass wir extra nach Lomé gereist sind, um das Visum zu beantragen und es
ihnen im Pass gezeigt haben, konnten sie nichts mehr sagen. Kurze Zeit später,
kam die junge Dame wieder und sagte das Visum sei nicht gültig, da kein
Ablaufdatum angegeben sei, obwohl ganz klar auf dem Visum stand, dass man
innerhalb eines Monats nach Ausstellung des Visums nach Ghana einreisen kann
und es ab Einreisedatum für 30 Tage gültig ist. Dem sei nicht so, es sei nicht
so einfach, sie wolle uns aber helfen. Ich wurde nach Draußen bestellt; sie
wollen 1.5 dafür dass sie uns rüber lassen. 1.5 CEDI? Also 0.40 €? Das ist
okay, aber ich habe nur großes Geld, der Taxifahrer soll das erst mal auslegen
und wir verrechnen dass dann später. Okay nun noch tausend Sachen ausfüllen und
da wir ja ach so gute Freunde sind sollte ich noch meine Adresse extra auf einen
Zettel schreiben, sodass wir uns bald wiedersehen. Es sollte sich
herausstellen, dass 1.5 150 Cedi (35€) bedeuten sollte, schlussendlich haben
wir 100 Cedi also 25 € bezahlt, woher sollte ich so etwas auch wissen…?
Endlich
ging es nach fast 2 Stunden weiter. Das nächste Hindernis sollte ein Fluss
sein: „Wo sollen wir denn nun langfahren?“ fragte ich. – „Naja einfach durch
den Fluss“ sagte der Taxifahrer. Mit Huggeln und Schuggeln sind wir Stück für
Stück durch den kleinen Fluss gefahren, um auf eine felsige Straße zu gelangen,
bei der es sich mehr um Fels als um Straße handelte. Wir haben uns wohl nicht
den besten Grenzübergang ausgesucht, viele Leute, geschweige denn Weiße kommen
da eher nicht lang…

Die Ankunft in
Nakpanduri war wie bei einer RTL-Show, denn Manu und Theresa (seine
Freundin)hatten sich seit 5 Monaten nicht mehr gesehen. Alle stiegen aus und
sie rannten sich in die Arme und wirbelten im Kreis. Das dazu, auf jeden Fall
wurden wir sehr nett aufgenommen. Die nächsten paar Tage vergnügten wir uns mit
Spaziergängen durch die Umgebung, auf dem Markt und haben die Schulen besucht,
bei denen die zwei Mädchen arbeiten (Rahel, das zweite Mädchen, wohnt mit
Theresa zusammen). Sie betreuen auch Waisen bei sich zu Hause.
An Silvester
haben wir zuerst in der Kirche mit lautem Gesang und Tanz und später im Stillen
bei uns im Haus gefeiert, denn es gibt eine Ausgangssperre ab 22:00 Uhr, da es
blutige Stammesstreitigkeiten über Land gab. Wir konnten gleich zweimal
„reinfeiern“ einmal nach Deutscher und einmal nach Ghanaischer Zeit. Ich bin
sogar mit meinem Anruf nach Deutschland um Mitternacht gut durchgekommen. Also
ganz anders, ohne
Dinner for One und
Bleigießen, aber trotzdem war es schön. Am Morgen ging es wieder in die Kirche
und abends sind wir zu einigen „Spots“(Bars) gegangen. Es waren Himmel und
Menschen auf den Straße, Hunderte wenn nicht Tausende Menschen waren unterwegs.
Das habe ich so noch fast nie erlebt. Wir haben uns nett unterhalten und waren
Tanzen, das ist aber auch eine Erfahrung, denn als einziger Weißer schauen
einen alle ganz gespannt zu wie und was man so tanzt… Ab 21:30 Uhr ging dann
die Musik aus und die Lichter an und alle machten sich auf den Heimweg, bevor
die Polizei auf die Straßen kommt…


Am nächsten Tag sollte
eine Neujahrsparty für die Kinder des Waisenhauses stattfinden.
Eine ernsthafte Moralfrage stellte sich mir
in den Weg, denn was veranstaltet wurde, war ein Esswettbewerb, bei dem jeweils
drei Kinder die Aufgabe hatten u.a. Brot, Melonen, Orangen, Cola , Kekse o.ä.
nach einem Startsignal so schnell wie möglich zu verschlingen. Die Kinder haben
dieses Spiel geliebt und haben sich die kreativsten Techniken ausgedacht, wie
man effektiv schnell essen bzw. trinken kann… Für mich ein eher fragwürdiges
Spiel, da viele der Kinder nicht immer viel zu Essen haben und hier dann auf
Geschwindigkeit und Druck essen und trinken sollen… Weiterhin gab es einen
Tanzwettbewerb, bei dem immer zwei Kinder gegeneinander getanzt haben. Am Ende
wurden auch Manu und ich zum Tanzaufgefordert; die Kinder haben laut gejubelt,
als wir getanzt haben.
Am
nächsten Morgen sind wir schon um 4 Uhr aus dem Haus, genau als die
Ausgangssperre zu Ende war. Mit all unserem Gepäck zur Bushaltestelle. Dort
mussten wir erfahren, dass der Bus nach Tamale schon losgefahren
war, obwohl Ausgangssperre war. Ich hatte mich ja schon auf einen weiteren Tag
in Nakpanduri eingestellt, als noch 2 kleinere Busse mit Ziel Tamale ankamen
und auch noch genügend Platz für alle vorhanden war.
Die
Ankunft in Tamale war wirklich beeindruckend. Auch wenn wir mit einer
beeindruckenden Staubschicht bedeckt waren, eine Klimaanlage gab es nicht, und
so konnte der Staub der Straße einfach durch die Fenster hereinströmen. Wir
waren eine Großstadt einfach nicht mehr gewohnt. Die Straßen waren voll mit
Menschen und an dem Busbahnhof, an dem wir ankamen, waren geschätzte 500 Busse
und hunderte Taxis, es wurde wild gehupt, gemischt mit Verkäufern, die ihre
Waren verkaufen wollten.
Nach dem wir Geld
abgehoben, ein wenig gegessen und getrunken hatten, holte uns ein Freund ab und
wir sind zusammen mit einem befreundeten Taxifahrer von ihm, Nash, zu einem
günstigen Hotel gefahren… Wie sich herausstellte, war das wohl auch ein
Stundenhotel… Naja dafür aber günstig und sogar mit Fernseher. Wir sind dann
noch in das Kultur Zentrum gefahren, wo wir einige Deutsch-Ghanaer getroffen
haben und ich mein T-Shirt bedrucken lassen hab. Es ist war wirklich
erstaunlich, wie viele auch in Ghana eine hohe Meinung der Deutschen haben und
sogar ein bisschen Deutsch sprechen… Abends waren wir noch in einem Restaurant
essen, es gab Humus, welches auch sehr gut geschmeckt hat. Das war mal eine
gewisse Abwechslung gegenüber Pât, Fufu, Spaghetti, Reise o.ä.

Nun sollte es also in
den Mole national Park gehen, 4000 km² Schutzgebiet im Norden von Ghana. Wir
hatten unserem Taxifahrer einen guten Preis ausgehandelt. Um 5:30 Uhr sollte es
losgehen, wir waren dann auch schon gegen 9:00 Uhr im National Park, wo wir einen
Guide für zwei Stunden Laufsafari gebucht haben für 2.50 € pro Stunde. Gleich
als wir losgehen wollten, haben wir den ersten Elefanten gesichtet. Nach ein
paar Minuten Laufen, haben wir große Fußabdrücke gesehen und sind dann an einen
kleinen See gekommen, wo bestimmt 4 Elefanten gebadet haben. Dass war
faszinierend. Noch spannender sollte es werden, als zwei junge Elefanten ihren
Vater getroffen haben und später noch eine zweite Elefantenfamilie hinzu kam.
Alle haben sich mit den Rüsseln begrüßt und freudig gespielt. Erstaunlicher
Weise, waren einige Elefanten tief schwarz und dass sie fast 16 Stunden am Tag
essen wusste ich auch nicht. Weiterhin haben wir ein Krokodil, ein paar
Antilopen, Affen und kleine Nilpferde sehen können. Danach haben wir noch die
älteste Moschee in Ghana besucht.

Der
nächste Tag sollte Tag 100 in West Afrika sein und unsere Reise sollte weiter
nach Kumasi fortgesetzt werden. Um 6 Uhr saßen wir im Bus, der uns in 6 Stunden
zu einer Businness-Metropole im Herzen Ghanas bringen und uns alle den Atem
nehmen sollte. Überall wurde gebaut, waren Hochhäuser, Geschäfte und viele
teure Autos. Wir wurden von einem Freund eines Freundes abgeholt und nachdem
sein Auto repariert war hat er uns die Uni in Kumasi gezeigt, mit Schwimmhalle,
Golf, Fußball und Basketballplatz. Nachdem wir in unserem Hotel unsere Sachen
abgelegt hatten, sind wir noch kurz durch die Straßen gezogen, ein
Bankenviertel mit Sicherheitspersonal an jeder Ecke, und haben Reis mit
Spaghetti für 2 Cedi, ca. 50 ct gegessen. Davon wird man schon satt.

Am nächsten Tag
wollten wir uns den legendären Markt von Kumasi anschauen und wir sollten nicht
enttäuscht werden. Ein ganzer Stadtteil nur Markt. Wenn man einmal drinnen ist,
kann man leicht die Orientierung verliere. Doch das kümmerte uns in diesem
Moment nicht, denn es gab einfach alles. Tier, ob lebendig oder Tote
getrocknete Chamäleons über Taube, Hühner oder Hasen, Anziehsachen, Schuhe,
Essen, Fernseher, Kühlschränke u.v.m. einfach alles. Aber nicht nur in diesem
Marktviertel war alles voller Markt, sondern auch auf den Straßen; ein riesiger
Flohmarkt.
Eine
weitere Sache hat mich überrascht, denn ich habe mir eine Sim-Karte gekauft. Also
bin ich an einen Stand gegangen, fragte ob ich eine Sim Karte kaufen könnte,
die Antwort war ja, welchen Anbieter? Airtel. Das macht dann 3 Cedi (0.75 ct).
„Wo muss ich unterschreiben?“, fragte ich. Nein aktivieren müsste man nichts.
Eingelegt, angemacht, aufgeladen und los geht’s. So einfach kann das Leben
sein!
Abends
hat sich ein großer Bus bei unserem Hotel niedergelassen um dort zu Zelten. Wie
sich zeigte, waren das 19 Menschen aus aller Welt, die eine 40 Wochen
Afrika-Reise von Marokko über Kapstadt bis nach Kairo machten. Mit dem Bus
fahren sie und abends wird im Bush gecampt. Wir haben uns gut bei ein paar
Bieren am Abend unterhalten, viele kamen aus England oder Schottland, aber auch
Spanien, Japan und Brasilien.
Das Aschanti Museum am
nächsten Morgen, sollte meine letzte Station in Kumasi sein. Dort haben wir
alles über das Leben der Aschanti Könige erfahren. Das interessanteste war,
dass die neuen Könige nicht die Kinder des Königspaares sind, sondern nur
direkte Nachfahren der Mutter des alten Königs sein können, also z.B. der
Bruder des Königs. Dann sollte es weiter nach Accra gehen, dort treffe ich mich
mit einem Ghanaischen Freund, den ich bei meinem Auslandsjahr in den USA
kennengelernt habe. Die Anderen der Reise-Gemeinschaft sind weiter nach Cape
Coast in den Süde-Westen gefahren.

Auf
dem Weg nach Accra habe ich Rudolf kennengelernt, einen Informatikstudenten der
Universität zu Accra. Er war sehr nett, und wir haben uns über
Programmiersprachen und zukünftige Technologien unterhalten. In Accra
angekommen, habe ich meinen Freund Kwami angerufen und wir haben uns einen
Treffpunkt ausgemacht. Eine große Busstation. Bald kam er und wir sind mit
einem TroTro (Minibus) zur AFS Zentrale Ghana gefahren, das ist die
Austauschorganisation mit der wir beide in den USA waren. Nachdem wir gegessen,
im Internet gesurft sind
und der
Nachmittagsverkehr abgeklungen ist, konnten wir los. Nachdem wir zwei Mal
zwischen Bussen umgestiegen sind und einen kleinen Fußmarsch hinter uns hatten,
sind wir bei dem zweistöckigen Haus von Kwami angekommen. Kühlschrank,
Mikrowelle, Waschmaschine und vor allem warmes Wasser aus dem Hahn, das ist
schon großer Luxus hier.
Die nächsten paar Tage
haben wir Accra touristisch erkundet. Im National Theater haben wir eine
Führung bekommen, haben das Accra Sport Stadium gesehen, den Indepenence Arc
und Square, waren am Strand, waren im Kunst Zentrum zum Kwame Memorial, der
erste Präsident von Ghana, haben das National Museum besucht, in dem viel über
die Kolonialzeit von Ghana erzählt wurde und auch nationale Künstler
ausgestellt waren. Wir waren in einer Mall und haben den Hobbit in 3D geschaut,
waren auf einem Leuchtturm in Jamestown, von dem man über ganz Accra schauen
konnte, haben den traditionellen Fischfang erleben können und haben die größte
Mall in West Afrika besucht. Dies alles war mit vielen neuen Begegnungen mit
anderen Deutschen und ihren Familien verbunden, interessanten Gesprächen über
die Bildungspolitik mit Kwamis Vater und vielen neuen Eindrücken und
Erfahrungen. Am letzten Tag hat mir Kwami noch seine Schule gezeigt, ein
riesiges Gelände mit vielen Gebäuden, auf dem sowohl Lehrer als auch Schüler
zusammen leben. Eine genaue Kopie einer Britischen Schule, gebaut im Jahre
1924. Auf die Schule sind auch viele Präsidenten West Afrikas gegangen und
Barack Obama hat dort bei einem Besuch Golf gespielt.

Eine
Begegnung mit der Polizei möchte ich kurz näher erläutern. Die Ampeln waren
ausgefallen und deswegen gab es Polizisten, die den Verkehr geleitet haben. Ein
nicht eindeutiges Zeichen hat uns über die Kreuzung gebracht, doch wie uns mitgeteilt
wurde war es uns nicht erlaubt, der Polizist wollte uns mit auf das Revier
nehmen, wir waren aber auf dem Weg zur japanischen Botschaft, denn Kwamis Vater
musste ein Visum für Japan beantragen. Nach kurzer Diskussion und der
Erklärung, dass wir Mitglied im Parlament sind, stieg ein andere Polizist ein und nachdem man etwas
Geld in die Hand gedrückt hatte auch schon wieder aus… Verkehrsdelikte werden
so oder vor Gericht gelöst, wurde mir mitgeteilt…


Meine
Reise kam langsam dem Ende entgegen, doch die Rückfahrt stand ja noch an und
nachdem ich eher schlechte Erfahrungen an der Grenze gemacht hatte, war ich
besonders Aufgeregt. Noch dazu kam, dass ich diesmal auf mich allein gestellt
war. Auf der Bank vor mir, saß ein Mann, es stellte sich her raus, dass er zur
Hälfte Italiener ist und Mario heißt. Er wollte auch nach Lomé fahren und hat
das schon oft gemacht. Im Grenzdorf Aflao angekommen ging die Tür mehrmals auf
und viele Menschen riefen, ob man über die Grenze wolle, ich schaute nur zu
Mario, der mit dem Kopf schüttelte. Bin ihm einfach hinterher gelaufen und
hatte keine Probleme bei der Grenze, obwohl ich alleine einen Ausreisestempel
abholen musste, er hatte die togoische Staatsbürgerschaft und musste deswegen
nichts ausfüllen. Dann plötzlich ein „Bon Arrivé“ und ich wusste ich bin wieder
im guten alten Togo ein Anderer rief „MahnSchaffte“ und „Deäutchelohnde“.,
Mario hatte auf mich gewartet und hat mich an etlichen Taxifahrern vorbei in
ein Auto gebracht. Ich hatte ihm erzählt ich müsste noch nach Kpalimé fahren
und als ich den Fahrer fragt, wie teuer es wohl zu der Taxihaltestelle sei
stellte sich her raus, dass das Auto Mario gehört und es sein Bruder ist der
fährt! Das war ja toll und so nett, dass sie mich noch bis zur Station gefahren
haben.

Das
Taxi nach Kpalimé sollte sich nur schwer füllen und so sind wir nicht für die
ganze Zeit zu viert auf der Rückbank gefahren, was ganz angenehm war. Gegen
21:00 Uhr sollte ich dann endlich in Kpalimé ankommen und ich bin müde nach
Hause gelaufen, wo mich schon ein kleines Abendbrot und danach mein Bett
erwartete.
So
nun habt ihr einen kleinen Schwenk aus meiner knapp zwei Wöchigen Reise durch
Togo und Ghana gelesen. Ich hätte noch vieles mehr erzählen können. Doch dafür
habe ich hier keinen Platz mehr und ich denke die wichtigsten Erlebnisse habe
ich geschildert. Die Stadt und Menscheneindrücke kann ich nicht mal in Worte
fassen, daher hoffe ich, dass einige der Bilder dies zum Teil verdeutlichen.
Weiterhin hatten wir fast jeden Tag mit neuen lokalen Sprachen zu tun, auf was
ich leider auch nicht eingehen konnte. Ich hatte eine wahnsinnig gute Zeit und
freue mich jetzt umso mehr weiter in meinem Projekt zu helfen und neue Ideen in
die Wirklichkeit umzusetzen. Dank ihrer Hilfe, war es mir möglich Land und Leute
kennenzulernen und somit mein Verständnis über die Kultur und einigen
regionalen Unterschieden auszuweiten.

Danke
für eure Zeit und Unterstützung!
Sebastian
Thalheim.