23.09.2015

Abschlussbericht von Sebastian Thalheim September 2014 bis März 2015 in Kpalimé, Togo bei AGERTO

Ein aufregendes halbes Jahr in Togo, mit vielen neuen Eindrücken, Erfahrungen, Menschen und Kultur geht zu Ende und ich Blicke mit Freude auf diesen Teil meines Lebens zurück. Ich habe hier die Chance bekommen Menschen auf ihrem Weg in eine gesicherte Zukunft zu begleiten und konnte meinen kleinen Beitrag leisten, um dies zu ermöglichen. Aber nicht nur die Arbeit sondern auch die neue Kultur hat mir viele neue Aspekte des Lebens offenbart. So zum Beispiel das Wäschewaschen von Hand oder das Eimerduschen aus dem Brunnen, der fast tägliche Stromausfall oder das Handeln auf dem Markt und mit den Motorradfahrern. Es wurde mir vor Augen geführt, mit wie wenig die Menschen auskommen müssen, aber auch können; wie kreativ und trotz alledem lebensfroh Mensch sein kann. Vor alledem habe ich gemerkt, wie wichtig die Familie ist, um in Zeiten der Not zu unterstützen. All dies vor dem Hintergrund der eigenen Integration bzw. dem Versuch dazu. 

Bevor ich nach Togo gekommen bin habe ich versucht alle Vorurteile und Erwartungen abzubauen. Trotzdem war ich mir ein wenig unsicher, inwiefern ich überhaupt von Nutzen sein könnte und wie ich mit der doch fremden Sprache Französisch zu Recht kommen sollte. Weiterhin hatte ich die Vorstellung, dass es immer extrem Heiß sein und es in der Regenzeit wohl immer regnen müsste. 

Bei meiner Ankunft in Lomé saß mir die Angst von Ebola noch im Nacken. Es war dunkel und sehr warm. Die Menschen waren alle für mich fremd, schwarz und sprachen eine unbekannte Sprache. Ich fühlte mich allein und hatte keine Ahnung, was ich in Togo machen könnte. Dies sollte sich aber bald ändern. Denn sobald ich in Kpalimé ankam und vom Präsidenten AGERTOs Messan herzlichst begrüßt wurde, waren meine größten Ängste schon verflogen. Er war auch eine große Hilfe, da mein Französisch wirklich zu wünschen übrig ließ. Dann hatte ich auch noch eine andere Freiwillige Tjada an meiner Seite, die mich ebenso mit ihrem Französisch unterstützt hat. Auch meine Gastfamilie stellte sich als sehr freundlich und hilfsbereit heraus. Zum Glück sprachen sie auch teilweise Englisch, sodass ich bei großer Not trotzdem verstanden wurde. 

Die Arbeit im Projekt ging auch gleich sehr abenteuerlich los, denn in einem kleinen Dorf in der Umgebung war AGERTO dabei einen Wasserturm für ein Krankenhaus zu bauen. Dort haben wir Interviews geführt und Berichte mit Fotos für die Spender in Deutschland verfasst. Ich war froh, dass ich eine Aufgabe zugeteilt bekommen hatte. Später sollte ich auch mehr Freiheiten haben, und eigene Projekte umsetzen. Gleich am ersten Wochenende ging es in die Hauptstadt und dort zur Deutschen Botschaft anlässlich des Tages der Wiedervereinigung. Dort habe ich viele andere Freiwillige getroffen und die anfängliche Isolation sollte sich bald auflösen, denn in und um Kpalimé gab es um die 20 Freiwilligen aus Deutschland. 

In Kpalimé hatte ich ungefähr 10 Minuten zu Fuß (und bald nur noch 3 Minuten mit dem Fahrrad) entfernt ein eigenes Zimmer. Ein Bett und ein Schreibtisch standen schon darin und ich habe mir alles ein bisschen gemütlich eingerichtet: kleine Teppiche, ein neues Lacken, eine Verteilersteckdose und ein Mückengitter. So ließ es sich Leben, abends habe ich mit meiner Gastmutter Angèle und meinem kleinen Gastbruder Enoch zu Abend gegessen. Es gab meist Pâte(Maismehlbrei), Fufu (Yamsbrei), Spagetti, Omlet o.ä. sehr oft auch mit Fisch jeder Art. Auch in Deutschland hatte schon nicht so gerne Fisch gegessen und nach zwei Monaten, bat ich die Familie keinen Fisch mehr für mich zu machen, was auch teilweise funktioniert hat, obwohl natürlich Fischsoßen ohne Fischstücken immer noch nach Fisch schmecken… 

Eine weitere große Aufgabe war das Erstellen von Quittungen und Kostenvoranschlägen für Diverse Partner und Käufer. Mit der Zeit habe ich immer weniger direkte Aufgaben zugeschrieben bekommen und konnte anfangen eigene Ideen und Projekte durchzusetzen. Anfangs haben wir aktiv versucht Spender für verschiedene Projekteideen zu finden. So z.B. für eine stabile Internetverbindung, Software, Schuldabzahlung des eingestürzten Dachs, Essen für die Lehrlingen, Mindestlöhne u.v.m. Dies stellte sich aber als sehr ineffizient dar. Denn keine einzige Firma, Privatperson o.ä. hat sich für uns eingesetzt. Nur schon bestehende Partner, wie der Togo-­‐ Hilfe e.V. Rheinbach hat Projekte unterstützt. 

Im Garten haben Tjada und ich neue Beete mit den Lehrlingen angelegt und bepflanzt, die den Jugendlichen, die dreimal in der Woche eine warme Mahlzeit im Zentrum erhalten, zur Selbstversorgung dienen soll. Immer mittwochs wird im Garten gearbeitet und jeden Morgen muss gegossen werden. Dies zu organisieren war nicht immer einfach, aber wir hatten auch Unterstützung von einigen Lehrern. 

Die Webseite war ein weiteres großes Arbeitsfeld von mir. Diese war schon lange veraltet und sowohl Design als auch Struktur und Inhalt mussten komplett neu überarbeitet werden. Ein weiterer großer Makel war, dass es keine einheitliche Mehrsprachigkeit für Deutsch, Englisch und Französisch gab. Darum habe ich ein neues Konzept für die Webseite entwickelt und dieses nach einer Einarbeitungs-Phase auch in die Tat umgesetzt. Das Übersetzen der Webseite wird aber noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. 

Weiterhin haben wir den Lehrlingen Französisch‐ und Computerunterricht angeboten. Ich habe mich aktiv um den Computerkurs gekümmert. Es stellte sich als echte Herausforderung dar, denn viele der Lehrlinge saßen noch nie vor einem Computer. Auch die Disziplin ließ anfangs zu wünschen übrig, denn mein Französisch war noch nicht gut genug und einige der Lehrlinge konnten selbst kaum Französisch. Ich habe mir deshalb Hilfe von unserem Computerfachmann geholt, der mit mir gemeinsam die Lehrlinge an Microsoft Word und das Internet herangeführt hat. Ich war erfreut, wie schnell und wissbegierig die jungen Menschen das gezeigte aufnahmen. So z.B. die erste Bildersuche nach Kleidung oder Möbeln ließ einige Begeisterung aufkommen. Schier unbegrenzte Inspiration. 

Des Weiteren habe ich angefangen einen Stadtplan für die zukünftigen Freiwilligen zu entwerfen und mit den wichtigsten Informationen zu versehen. Auch eine Mappe mit Tipps und Tricks für zukünftige Freiwillige soll den Einstieg erleichtern. 

Rechts: Tjada Mitte: Thomas
Im Team haben wir ständig überlegt, wie wir dem Projekt noch weiter helfen könnten und wollten eine Hühnerfarm bauen, um die Jugendlichen mit Nahrung zu versorgen und da der Garten schon recht gut lief, habe wir dies kurzerhand auch umgesetzt. Da es an der Finanzierung mangelte, habe ich überlegt, wie wir ein wenig Unterstützung bekommen könnten und habe nach einiger Planung ein kleines Video gedreht, in dem ich aufgerufen habe Hühner für Togo zu spenden. 100€ war mein Ziel, aber nach nur zwei Wochen waren es schon über 500€ an Spenden. Das hat mich sehr gefreut! Zum Ende des Dienstes haben wir noch Verstärkung von Thomas Krahl bekommen, der schon früher für 1,5 Jahre Freiwilliger im Projekt war. Das war auch gut für mich, da ich ihm einige Aufgaben übertragen konnte, die ich auf Grund der kurzen Zeit nicht mehr ganz beenden konnte. 

Die zwei Wochen in Ghana über Silvester und eine Woche in Benin haben mir einen guten Eindruck in die westafrikanische Welt gegeben. Am Ende blicke ich auf eine spannende Erfahrung mit vielen neuen Eindrücken, Menschen, Musik, Kultur und Reisen zurück. Am Anfang war alles neu, anders und mit Angst verbunden nun liegt mir die Reggea Musik am Herzen, die vielen netten und offenen Menschen werden mir fehlen und auch meine Gastfamilie und die anderen Freiwilligen. Ich wünsche allen viel Erfolg und viel Glück für die Zukunft! 

Euer Sebastian.

Bericht über die Reise nach Benin vom 07.03 bis 14.03.2015

Die Beninreise sollte die letzte Reise in Westafrika sein, bevor ich wieder zurück nach Berlin fuhr. Es war gar nicht so einfach ein Visum für Benin zu bekommen, da sie gerade zum neuen Jahr ihre Einrei-­‐ sebedingungen verschärft hatten und man nun eine schriftliche Bestätigung eines Hotels brauche und noch einige komische Dinge ausfüllen sollte. Wir haben das Visum aber bekommen und sind mit 3 Mädchen und 3 Jungs nach Grand Popo gefahren, das ist ein kleines Dorf an der Grenze zu Togo in Benin. Die Mädchen sind schon weitergefahren, und wir sollten sie erst in ein paar Tagen wieder sehen. 


 In Grand Popo haben wir eine Bootstour in einem ausgehöhlten Baumstamm gemacht und haben ein Voodoo Dorf besucht. Das war wirklich spannend, denn dort standen ein paar „Fetische“ herum, die für den Schutz des Dorfes sorgen sollten. Abends haben wir in der Lions Bar, wo wir auch geschlafen haben Skat gespielt und bei einem Lagerfeuer am Strand entspannt. Wir haben dort auch eine andere Freiwillige aus Kpalimé(Togo) getroffen und haben uns kurzerhand als Reisegruppe mit ihrem Freund zusammen getan und sind am nächsten Tag zusammen nach Quidah mit dem Taxi gefahren. Dort haben wir eine Tour über den Sklavenweg gemacht, denn in Benin wurden sehr viele Sklaven nach Lateinamerika verschleppt. Am Ende des Weges kamen wir an das Tor of no Teturn. Anschlie-­‐ ßend sind wir noch zum Python Tempel gefahren, wo heilige Königskobras um den Hals gelegt wer-­‐ den konnte... Ein wenig Respekt hatte ich schon, aber die Schlangen waren sehr friedsam. 


Am nächsten Tag ging es weiter nach Cotonou, der inoffiziellen Hauptstadt Benins. Über einen Freund eines Freundes, haben wir Jus kennengelernt. Ein wirklich interessanter Mensch, denn er machte gefühlte hundert Dinge auf einmal und war damit auch noch sehr erfolgreich u.a. als Nationaltrainer der Volleyballmannschaft, Solarpanelinstallateur, Fußball Akademiebesitzer, Kampfkünstler uvm. Wir sind mit ihm essen gegangen und er hat uns eingeladen. Am Nachmittag sind wir nach Ganvié, das Venedig Westafrikas. Das war wirklich eine schöne Erfahrung und wirklich erstaunlich, wie all die Häuser auf dem Wasser wohl errichtet worden waren. 
Am Abend sind wir dann zur Villa von Jul gefahren. Ein wirklich schönes Haus und es gab warmes Wasser, eine Mikrowelle und einen Kühlschank. Davor hatten wir uns bei strömendem Regen über Politik in Afrika unterhalten und u.a. über die Vereinigten Staaten von Afrika. Sehr interessante Ansätze. Nach dem ausführlichen Fernsehgenuss ging’s dann ab ins Bett mit Klimaanlage. 



Früh sollte es am nächsten morgen nach Porto Novo der Hauptstadt Benins losgehen. Manou, ein anderer Freiwilliger, der mit Gehörlosen arbeitet wollte unbedingt zu einer Schule, die dort Gehörlose und Hörende zusammen unterrichtet. Das war wirklich eine spannende Sache, denn die Lehrer haben unterrichtet und dann haben die hörenden Schüler alles für die nicht Hörenden übersetzt. Anschließend haben wir ein Museum über den Afrobrasilianischen Einfluss angeschaut und waren in einem sehr interessanten Naturschutz-­Nachhaltigkeits-­Projekt Von Tierzucht, über Landwirtschaft bis hin zu Biodieselproduktion war alles in einem großen Kreislauf auf Nachhaltigkeit ausgelegt. Dann mussten wir zurück nach Cotonou, da wir dort morgen früh zusammen mit den Mädchen in den Norden von Benin fahren wollten. 

Leider hatten wir am Vorabend etwas schlechtes gegessen und daher ging es mir am morgen nicht besonders gut. Nachdem wir beim Bus die Mädchen getroffen ha-­‐ ben und auch endlich den richtigen Bus plus Tickets gefunden hatten ging es los. Irgendwann habe ich es nicht mehr ausgehalten und musste mich übergeben, aber zum Glück hatte ich mir schon ein paar Tüten bereitgelegt. Danach stieg mein Fieber innerhalb einer Stunde von 37 auf 38,5°C und wir hatten keine Medikamente... Alle dachten ich hätte Malaria, ich aber war der festen Überzeugung, dass es sich nur um eine Magenverstimmung halte. Ich wurde vom Buspersonal ganz nach Vorne versetzt und ich bekam eine Paracetamol kurze Zeit später nahm das Fieber ab und mir ging es langsam besser. Die 14 Stunden Busfahrt vergingen sehr schleppend. Abend wurden wir in Tanguetta, wo uns Alfred, ein Deutscher, mit dem Jeep abgeholt hatte und uns auf eine sehr abenteuerliche Spritztour zum Hotel mitnahm. Mit 80 über die Schotterpiste, Stock und Stein, Hügel und Schlagloch als ob wir auf der Autobahn wären.

Den Besuch im Nationalpark, weswegen wir in den Norden fuhren haben wir um einen Tag nach hinten verschoben, da ich mich erst richtig auskurieren sollte. Die Nacht verging ohne Probleme und auch am morgen ging es mir hervorragend, kein hohes Fieber mehr und auch Appetit denn ich hatte am Vortag fast nichts gegessen und nur sehr wenig getrunken... 

Der Tag sollte entspannt werden, wir saßen am Quellwasserpool und haben den Spiegel gelesen und uns unterhalten. Abends gab es leckeres Essen und ich habe mich mit einem Deutschen Ingenieur Kurt unterhalten der Großprojekte in der Ölbranche realisiert. Das war sehr spannend. Wir sind nicht zu spät ins Bett denn morgen sollte es um 5:30 Uhr losgehen. 

Das war aufregend. Wir haben Nach einem kurzen Früh-­‐ stück den Guide Thoma abgeholt und sind dann auf dem Dach des Jeeps mit einer extra Sitzvorrichtung in den Park Pandjari gefahren. Dort haben wir schon bald die ersten Tiere gesehen. Antilopen, Affen und viele Vögel. Wir sind zu vielen verschiedenen Wasserlöchern gefahren und ha-­‐ ben dort u.a. Hippos und Krokodile sowie auch viele Elefanten gesehen. Wir waren den ganzen Tag unterwegs und haben mittags lecker Leberwurstbrote essen dürfen. Am Abend habe ich mich noch mit Alfred unterhalten, der mit seinem Backenbart wie ein alter Kolonialherr aussieht. Er ist Landmaschinentechnikermeister ist dann aber in die Entwicklungshilfe gegangen hat in Benin seine Frau kennengelernt und eine Tochter bekommen, dann hat er das Hotel übernommen und versucht nun irgendwie über die Runden zu kommen. 

Es war eine sehr intensive und spannende Zeit, ich war aber auch froh wieder zu Hause in Kpalimé zu sein und meine letzten Tage in Togo anzutreten.

04.02.2015

Reisebericht Nord Togo und Ghana Dezember 2014 bis Januar 2015

25.12.14 


Nun war es also so weit. Am 1. Weihnachtsfeiertag bin ich noch mit Manu in ein nahe gelegenes Dorf gegangen, wo wir uns mit taubstummen Freunden zum Fufustampfen verabredet hatten. Manu arbeitet nämlich in einer Schule für taubstumme Kinder und Jugendliche. Das Essen machen war wirklich anstrengend, vor allem das Fufustampfen, wobei man gekochtes Yams in einem ausgehöhlten Baumstamm, mithilfe eines großen Holzstampfers mit vollem Körpereinsatz zu einem festen Brei stampft. Dazu gab es Erdnusssoße, meine Lieblingssoße. Am Nachmittag haben wir uns alle bei Klara und Pauline(auch Freiwillige aus Deutschland) getroffen und haben dort ein vorher geplantes Wichteln durchgeführt. Wobei jeder einen Namen gezogen hatte und diesem dann sein Geschenk übergeben hat. Ich habe eine sehr schöne Holzschale und Kekse geschenkt bekommen. Zurück bei mir gab es noch Abendbrot und dann bin ich auch bald schon ins Bett, denn um 2:30 Uhr sollte der Wecker klingeln.

26.12.14
Nachdem ich mühsam aus dem Bett gestiegen bin und die letzten Dinge in meinen, sowieso schon überfüllten Rucksack gequetscht hatte, hupte schon das Taxi vor der Tür und Manu und Simon haben mich abgeholt. Überraschenderweise haben wir sogar noch zwei weitere Mitfahrer mit Fahrziel Lomé gefunden und dass mitten in der Nacht. Gegen 5:30 Uhr waren wir auch schon in Lomé, es ging wirklich flott, denn niemand war auf den Straßen unterwegs. Die Musik im Auto war auch sehr speziell, denn bei dem Titanic Schlager My Heart Will Go On, musste ich mich manchmal fragen, ob ich im richtigen Film bin…
Nach einer kurzen Wartezeit sind wir mit ausreichend Zutrinken in den klimatisierten Großbus, mit 5 Sitzen in einer Reihe eingestiegen. So einfach wie das klingen mag ist das aber keinen Falls, gedrückt, gedrängelt, geschubst und gezerrt wird, als ob alle Angst haben, dass es nicht genügend Plätze für alle geben könnte; ich habe gehofft, dass dies nicht der Fall ist. Fast pünktlich um 7:45 Uhr verließ der Bus die Haltestelle und machte sich auf in Richtung Kara, die zweite Hauptstadt Togos. Das ständige Hupen gehört natürlich mit dazu, denn wir können eh nicht so schnell bremsen… Die Straßen sind erstaunlich gut und nur alle paar hundert Meter müssen wir einem Schlagloch ausweichen.  Um 13:00 Uhr waren wir dann auch schon da, zuvor hatten wir Stopps in Atakpamé und Sokodé gemacht. Kurz vor Kara geschah etwas unglaubliches, die Straße wurde eben, es gab Mittelmarkierungen und Fahrbahnbegrenzungen, man fühlte sich wie in Amerika; überall waren Straßenschilder, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Vorfahrten usw., aus welchem Grund auch immer waren wir aber die einzigen Verkehrsteilnehmer auf der Straße, sie muss wohl noch etwas geschont werden. In Kara, haben wir unser Gepäck abgeladen und bald wurden wir von einer Freiwilligen Catharina abgeholt und zu ihrem Projektgelände von Don Bosco gebracht. Das war auch wirklich erstaunlich. Wir haben den Essensraum betreten, der in einer Kuppelform gebaut war, an den Wänden schöne Gemälde und in der Küche: Toaster, Kaffeemaschine, Kühlschrank, Kühltruhe und echte Milch. Das ist hier nicht so normal, total überwältigend sogar, denn wir sind solch einen Luxus nicht mehr gewohnt…


Es sollen noch zwei Wochen folgen, um hierdraus nicht einen Roman zu machen, möchte ich im Folgenden nur die beeindruckensten Erlebnisse kurz schildern.
In Kara sollten wir drei Nächte bleiben und dass alles ganz kostenlos inklusive sehr feinen Essens und netter Kompanie. Denn 8 „Väter“ leben vor Ort, die sich um die Schulen, Ausbildungsstätten und Auffanglager für die Kinder und Jugendlichen von der Straße kümmern. Ein zweiter Freiwilliger aus Deutschland, Gregor, arbeitet in dem Foyer für Jungen, wo er von morgens um 5:00 Uhr bis abends um 22:00 Uhr arbeitet und dort auch schläft. Er beaufsichtigt und bespaßt die Kinder und gibt Nachhilfe. Ein wahnsinniges Engagement, deswegen sind wir ja aber auch hier, um den Menschen zu helfen.
Weiterhin haben wir das Dorf des Präsidenten Namens Pya besucht. Leider zu einem etwas ungünstigen Zeitpunkt, denn der Präsident sollte am selben Tag anreisen und deswegen war es nicht erlaubt in die Nähe des Palastes zu gelangen. Wir haben aber leckeres Fufu gegessen und sind einen Berg hinaufgestiegen von wo wir den Palast auch sehen konnten.
Der nächste Tag sollte uns zu einem beeindruckenden UNESCO Weltkulturerbe führen. Wir hatten am Vorabend eine andere Freiwillige getroffen, die das gleiche Ziel mit ihrer sie besuchenden Familie hatte. Kurzentschlossen haben wir uns zusammengetan und sind mit zwei Taxis in Richtung beninische Grenze nach Kutamaku gefahren.  Das sind zweistöckige Lehmfestungen, die von Burkina Faso Flüchtlingen, die vor den Sklavenhändlern wegrannten, gebaut wurden. Neben der unglaublich ausgeklügelten Bauweise hat uns ein Konvoi aus drei Land Rovern abgelenkt, aus dem ein paar Menschen in Anzügen ausstiegen und an
fingen rote 1000 CFA (etwa 1.50€) an die Kinder, Männer und Frauen des Dorfes zu verteilen. Wie sich herausstellte, war das ein Minister, der ein bisschen produktiven Wahlkampf betrieb…
Anschießend haben wir noch das erste bewohnte „Haus“, einen hohlen Baobab Baum besucht und sind dann zu einem Restaurant gefahren, wo es auch einen Souvenir Shop gab, sowie ein Museum, wo wir auch eine nette Führung gemacht haben und so ein wenig über die Kultur erfahren haben. Interessanterweise gab es unter den traditionellen Musikinstrumenten auch ein Saiteninstrument nämlich die Gambe.

Am nächsten Tag sollte es weiter in den Norden gehen, nach Dapaong. Leider waren alle großen Busse schon ausgebucht und wir wollten nicht bis nachmittags warten und dann nachts in der Herberge ankommen. Wir sind also mit dem Moto zur Tankstelle gefahren, ein Bus stand bereit und wo sollte der hinfahren? Nach Dapaong! Nah so ein Zufall, nach 1.5 Stunden wurde der letzte Koffer auf dem Dach des TroTros(Minibus) festgeschnürt und wir konnten endlich unsere Reise fortsetzten. Mit im Bus war auch ein kleiner Affe, der als Haustier gehalten wurde. Bis auf eine kleine Autopanne verlief die Fahrt ohne Probleme. In Dapaong haben wir einfach nur ein wenig eine Stadttour gemacht, wobei es schon auffiel, dass es sehr viel weniger Bäume gab und der Harmattan deutlich zu spüren war. Das ist ein Wind von der Sahara, der viel Staub mit sich bringt und nachts sehr kalt ist. Dass ich jemals in Afrika frieren würde hätte ich nicht für möglich gehalten. Im Hotel hatten wir die Deutsche Welle im Fernsehen geschaut und es wurde ein Beitrag über Steuerbetrug gezeigt, lustiger Weise wurde in Berlin Mitte die Stadträtin interviewed, mit der ich im BezirksSchulBeirat zusammen gearbeitet habe. So klein ist die Welt, dacht ich mir da nur…  Um 11 Uhr am folgenden Tag war geplant, dass uns ein Taxi aus Ghana abholt und zur Freundin von Manu fährt.
Leider wurde uns kein präziser Ort genannt und wir musste aus mehreren Orten auf gut Glück einen auswählen, bei dem wir dann auch noch satte 2.5h warten mussten. Wir haben uns die Zeit aber mit einer Partie Schach vertrieben, was viele Menschen besonders Ältere anzog, die alle sehr bestaunt das Spielgetriebe begutachteten. Einige gaben Tipps aus Spielen, die sie kannten, u.a. auch Dame, Schach war den Meisten aber glaube ich kein Begriff… Als dann endlich der Taxifahrer kam, gab es großen Stress, da er auf einem privaten Taxistand geparkt hatte, nur nach großer Diskussion, denn er hatte extra deswegen einen Passierschein beantragt, konnten wir dann unter Stunk der anderen Taxifahrer in Richtung Ghana aufbrechen.
Der Grenzübergang sollte die nächste große Hürde sein, die überwunden werden musste. Der Taxifahrer ist noch nie mit Weißen über die Grenze gefahren und hatte dementsprechend keine Ahnung was man alles als visumspflichtiger Mensch machen muss, denn Einheimische dürfen im ganzen Westen Afrikas frei und ohne Visa reisen. Wir sind ohne jeglichen Stempel aus Togo ausgereist und auch ohne große Probleme durch die Zollkontrolle von Togo gekommen, bis uns der Fahrer aber erklärt hatte, dass wir noch nicht in Ghana sind, und noch nicht illegal ohne Stempel eingereist sind vergingen einige schweißgetriebene Momente…  Dann noch durch die Zollkontrolle von Ghana und dann schlussendlich zum Immigrationsservice von Ghana.
Zu Erst wurde uns gesagt, wir hätten gar kein Visum für Ghana. Nachdem wir darauf bestanden haben, dass wir extra nach Lomé gereist sind, um das Visum zu beantragen und es ihnen im Pass gezeigt haben, konnten sie nichts mehr sagen. Kurze Zeit später, kam die junge Dame wieder und sagte das Visum sei nicht gültig, da kein Ablaufdatum angegeben sei, obwohl ganz klar auf dem Visum stand, dass man innerhalb eines Monats nach Ausstellung des Visums nach Ghana einreisen kann und es ab Einreisedatum für 30 Tage gültig ist. Dem sei nicht so, es sei nicht so einfach, sie wolle uns aber helfen. Ich wurde nach Draußen bestellt; sie wollen 1.5 dafür dass sie uns rüber lassen. 1.5 CEDI? Also 0.40 €? Das ist okay, aber ich habe nur großes Geld, der Taxifahrer soll das erst mal auslegen und wir verrechnen dass dann später. Okay nun noch tausend Sachen ausfüllen und da wir ja ach so gute Freunde sind sollte ich noch meine Adresse extra auf einen Zettel schreiben, sodass wir uns bald wiedersehen. Es sollte sich herausstellen, dass 1.5 150 Cedi (35€) bedeuten sollte, schlussendlich haben wir 100 Cedi also 25 € bezahlt, woher sollte ich so etwas auch wissen…?
Endlich ging es nach fast 2 Stunden weiter. Das nächste Hindernis sollte ein Fluss sein: „Wo sollen wir denn nun langfahren?“ fragte ich. – „Naja einfach durch den Fluss“ sagte der Taxifahrer. Mit Huggeln und Schuggeln sind wir Stück für Stück durch den kleinen Fluss gefahren, um auf eine felsige Straße zu gelangen, bei der es sich mehr um Fels als um Straße handelte. Wir haben uns wohl nicht den besten Grenzübergang ausgesucht, viele Leute, geschweige denn Weiße kommen da eher nicht lang…
Die Ankunft in Nakpanduri war wie bei einer RTL-Show, denn Manu und Theresa (seine Freundin)hatten sich seit 5 Monaten nicht mehr gesehen. Alle stiegen aus und sie rannten sich in die Arme und wirbelten im Kreis. Das dazu, auf jeden Fall wurden wir sehr nett aufgenommen. Die nächsten paar Tage vergnügten wir uns mit Spaziergängen durch die Umgebung, auf dem Markt und haben die Schulen besucht, bei denen die zwei Mädchen arbeiten (Rahel, das zweite Mädchen, wohnt mit Theresa zusammen). Sie betreuen auch Waisen bei sich zu Hause. An Silvester haben wir zuerst in der Kirche mit lautem Gesang und Tanz und später im Stillen bei uns im Haus gefeiert, denn es gibt eine Ausgangssperre ab 22:00 Uhr, da es blutige Stammesstreitigkeiten über Land gab. Wir konnten gleich zweimal „reinfeiern“ einmal nach Deutscher und einmal nach Ghanaischer Zeit. Ich bin sogar mit meinem Anruf nach Deutschland um Mitternacht gut durchgekommen. Also ganz anders, ohne Dinner for One und Bleigießen, aber trotzdem war es schön. Am Morgen ging es wieder in die Kirche und abends sind wir zu einigen „Spots“(Bars) gegangen. Es waren Himmel und Menschen auf den Straße, Hunderte wenn nicht Tausende Menschen waren unterwegs. Das habe ich so noch fast nie erlebt. Wir haben uns nett unterhalten und waren Tanzen, das ist aber auch eine Erfahrung, denn als einziger Weißer schauen einen alle ganz gespannt zu wie und was man so tanzt… Ab 21:30 Uhr ging dann die Musik aus und die Lichter an und alle machten sich auf den Heimweg, bevor die Polizei auf die Straßen kommt…
Am nächsten Tag sollte eine Neujahrsparty für die Kinder des Waisenhauses stattfinden.  Eine ernsthafte Moralfrage stellte sich mir in den Weg, denn was veranstaltet wurde, war ein Esswettbewerb, bei dem jeweils drei Kinder die Aufgabe hatten u.a. Brot, Melonen, Orangen, Cola , Kekse o.ä. nach einem Startsignal so schnell wie möglich zu verschlingen. Die Kinder haben dieses Spiel geliebt und haben sich die kreativsten Techniken ausgedacht, wie man effektiv schnell essen bzw. trinken kann… Für mich ein eher fragwürdiges Spiel, da viele der Kinder nicht immer viel zu Essen haben und hier dann auf Geschwindigkeit und Druck essen und trinken sollen… Weiterhin gab es einen Tanzwettbewerb, bei dem immer zwei Kinder gegeneinander getanzt haben. Am Ende wurden auch Manu und ich zum Tanzaufgefordert; die Kinder haben laut gejubelt, als wir getanzt haben.
Am nächsten Morgen sind wir schon um 4 Uhr aus dem Haus, genau als die Ausgangssperre zu Ende war. Mit all unserem Gepäck zur Bushaltestelle. Dort mussten wir erfahren, dass der Bus nach Tamale schon losgefahren war, obwohl Ausgangssperre war. Ich hatte mich ja schon auf einen weiteren Tag in Nakpanduri eingestellt, als noch 2 kleinere Busse mit Ziel Tamale ankamen und auch noch genügend Platz für alle vorhanden war.
Die Ankunft in Tamale war wirklich beeindruckend. Auch wenn wir mit einer beeindruckenden Staubschicht bedeckt waren, eine Klimaanlage gab es nicht, und so konnte der Staub der Straße einfach durch die Fenster hereinströmen. Wir waren eine Großstadt einfach nicht mehr gewohnt. Die Straßen waren voll mit Menschen und an dem Busbahnhof, an dem wir ankamen, waren geschätzte 500 Busse und hunderte Taxis, es wurde wild gehupt, gemischt mit Verkäufern, die ihre Waren verkaufen wollten.
Nach dem wir Geld abgehoben, ein wenig gegessen und getrunken hatten, holte uns ein Freund ab und wir sind zusammen mit einem befreundeten Taxifahrer von ihm, Nash, zu einem günstigen Hotel gefahren… Wie sich herausstellte, war das wohl auch ein Stundenhotel… Naja dafür aber günstig und sogar mit Fernseher. Wir sind dann noch in das Kultur Zentrum gefahren, wo wir einige Deutsch-Ghanaer getroffen haben und ich mein T-Shirt bedrucken lassen hab. Es ist war wirklich erstaunlich, wie viele auch in Ghana eine hohe Meinung der Deutschen haben und sogar ein bisschen Deutsch sprechen… Abends waren wir noch in einem Restaurant essen, es gab Humus, welches auch sehr gut geschmeckt hat. Das war mal eine gewisse Abwechslung gegenüber Pât, Fufu, Spaghetti, Reise o.ä.
Nun sollte es also in den Mole national Park gehen, 4000 km² Schutzgebiet im Norden von Ghana. Wir hatten unserem Taxifahrer einen guten Preis ausgehandelt. Um 5:30 Uhr sollte es losgehen, wir waren dann auch schon gegen 9:00 Uhr im National Park, wo wir einen Guide für zwei Stunden Laufsafari gebucht haben für 2.50 € pro Stunde. Gleich als wir losgehen wollten, haben wir den ersten Elefanten gesichtet. Nach ein paar Minuten Laufen, haben wir große Fußabdrücke gesehen und sind dann an einen kleinen See gekommen, wo bestimmt 4 Elefanten gebadet haben. Dass war faszinierend. Noch spannender sollte es werden, als zwei junge Elefanten ihren Vater getroffen haben und später noch eine zweite Elefantenfamilie hinzu kam. Alle haben sich mit den Rüsseln begrüßt und freudig gespielt. Erstaunlicher Weise, waren einige Elefanten tief schwarz und dass sie fast 16 Stunden am Tag essen wusste ich auch nicht. Weiterhin haben wir ein Krokodil, ein paar Antilopen, Affen und kleine Nilpferde sehen können. Danach haben wir noch die älteste Moschee in Ghana besucht.
Der nächste Tag sollte Tag 100 in West Afrika sein und unsere Reise sollte weiter nach Kumasi fortgesetzt werden. Um 6 Uhr saßen wir im Bus, der uns in 6 Stunden zu einer Businness-Metropole im Herzen Ghanas bringen und uns alle den Atem nehmen sollte. Überall wurde gebaut, waren Hochhäuser, Geschäfte und viele teure Autos. Wir wurden von einem Freund eines Freundes abgeholt und nachdem sein Auto repariert war hat er uns die Uni in Kumasi gezeigt, mit Schwimmhalle, Golf, Fußball und Basketballplatz. Nachdem wir in unserem Hotel unsere Sachen abgelegt hatten, sind wir noch kurz durch die Straßen gezogen, ein Bankenviertel mit Sicherheitspersonal an jeder Ecke, und haben Reis mit Spaghetti für 2 Cedi, ca. 50 ct gegessen. Davon wird man schon satt.
Am nächsten Tag wollten wir uns den legendären Markt von Kumasi anschauen und wir sollten nicht enttäuscht werden. Ein ganzer Stadtteil nur Markt. Wenn man einmal drinnen ist, kann man leicht die Orientierung verliere. Doch das kümmerte uns in diesem Moment nicht, denn es gab einfach alles. Tier, ob lebendig oder Tote getrocknete Chamäleons über Taube, Hühner oder Hasen, Anziehsachen, Schuhe, Essen, Fernseher, Kühlschränke u.v.m. einfach alles. Aber nicht nur in diesem Marktviertel war alles voller Markt, sondern auch auf den Straßen; ein riesiger Flohmarkt.
Eine weitere Sache hat mich überrascht, denn ich habe mir eine Sim-Karte gekauft. Also bin ich an einen Stand gegangen, fragte ob ich eine Sim Karte kaufen könnte, die Antwort war ja, welchen Anbieter? Airtel. Das macht dann 3 Cedi (0.75 ct). „Wo muss ich unterschreiben?“, fragte ich. Nein aktivieren müsste man nichts. Eingelegt, angemacht, aufgeladen und los geht’s. So einfach kann das Leben sein!
Abends hat sich ein großer Bus bei unserem Hotel niedergelassen um dort zu Zelten. Wie sich zeigte, waren das 19 Menschen aus aller Welt, die eine 40 Wochen Afrika-Reise von Marokko über Kapstadt bis nach Kairo machten. Mit dem Bus fahren sie und abends wird im Bush gecampt. Wir haben uns gut bei ein paar Bieren am Abend unterhalten, viele kamen aus England oder Schottland, aber auch Spanien, Japan und Brasilien.   
Das Aschanti Museum am nächsten Morgen, sollte meine letzte Station in Kumasi sein. Dort haben wir alles über das Leben der Aschanti Könige erfahren. Das interessanteste war, dass die neuen Könige nicht die Kinder des Königspaares sind, sondern nur direkte Nachfahren der Mutter des alten Königs sein können, also z.B. der Bruder des Königs. Dann sollte es weiter nach Accra gehen, dort treffe ich mich mit einem Ghanaischen Freund, den ich bei meinem Auslandsjahr in den USA kennengelernt habe. Die Anderen der Reise-Gemeinschaft sind weiter nach Cape Coast in den Süde-Westen gefahren.
Auf dem Weg nach Accra habe ich Rudolf kennengelernt, einen Informatikstudenten der Universität zu Accra. Er war sehr nett, und wir haben uns über Programmiersprachen und zukünftige Technologien unterhalten. In Accra angekommen, habe ich meinen Freund Kwami angerufen und wir haben uns einen Treffpunkt ausgemacht. Eine große Busstation. Bald kam er und wir sind mit einem TroTro (Minibus) zur AFS Zentrale Ghana gefahren, das ist die Austauschorganisation mit der wir beide in den USA waren. Nachdem wir gegessen, im Internet gesurft sind  und der Nachmittagsverkehr abgeklungen ist, konnten wir los. Nachdem wir zwei Mal zwischen Bussen umgestiegen sind und einen kleinen Fußmarsch hinter uns hatten, sind wir bei dem zweistöckigen Haus von Kwami angekommen. Kühlschrank, Mikrowelle, Waschmaschine und vor allem warmes Wasser aus dem Hahn, das ist schon großer Luxus hier.
Die nächsten paar Tage haben wir Accra touristisch erkundet. Im National Theater haben wir eine Führung bekommen, haben das Accra Sport Stadium gesehen, den Indepenence Arc und Square, waren am Strand, waren im Kunst Zentrum zum Kwame Memorial, der erste Präsident von Ghana, haben das National Museum besucht, in dem viel über die Kolonialzeit von Ghana erzählt wurde und auch nationale Künstler ausgestellt waren. Wir waren in einer Mall und haben den Hobbit in 3D geschaut, waren auf einem Leuchtturm in Jamestown, von dem man über ganz Accra schauen konnte, haben den traditionellen Fischfang erleben können und haben die größte Mall in West Afrika besucht. Dies alles war mit vielen neuen Begegnungen mit anderen Deutschen und ihren Familien verbunden, interessanten Gesprächen über die Bildungspolitik mit Kwamis Vater und vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen. Am letzten Tag hat mir Kwami noch seine Schule gezeigt, ein riesiges Gelände mit vielen Gebäuden, auf dem sowohl Lehrer als auch Schüler zusammen leben. Eine genaue Kopie einer Britischen Schule, gebaut im Jahre 1924. Auf die Schule sind auch viele Präsidenten West Afrikas gegangen und Barack Obama hat dort bei einem Besuch Golf gespielt.  
Eine Begegnung mit der Polizei möchte ich kurz näher erläutern. Die Ampeln waren ausgefallen und deswegen gab es Polizisten, die den Verkehr geleitet haben. Ein nicht eindeutiges Zeichen hat uns über die Kreuzung gebracht, doch wie uns mitgeteilt wurde war es uns nicht erlaubt, der Polizist wollte uns mit auf das Revier nehmen, wir waren aber auf dem Weg zur japanischen Botschaft, denn Kwamis Vater musste ein Visum für Japan beantragen. Nach kurzer Diskussion und der Erklärung, dass wir Mitglied im Parlament sind, stieg ein andere Polizist ein und nachdem man etwas Geld in die Hand gedrückt hatte auch schon wieder aus… Verkehrsdelikte werden so oder vor Gericht gelöst, wurde mir mitgeteilt…
Meine Reise kam langsam dem Ende entgegen, doch die Rückfahrt stand ja noch an und nachdem ich eher schlechte Erfahrungen an der Grenze gemacht hatte, war ich besonders Aufgeregt. Noch dazu kam, dass ich diesmal auf mich allein gestellt war. Auf der Bank vor mir, saß ein Mann, es stellte sich her raus, dass er zur Hälfte Italiener ist und Mario heißt. Er wollte auch nach Lomé fahren und hat das schon oft gemacht. Im Grenzdorf Aflao angekommen ging die Tür mehrmals auf und viele Menschen riefen, ob man über die Grenze wolle, ich schaute nur zu Mario, der mit dem Kopf schüttelte. Bin ihm einfach hinterher gelaufen und hatte keine Probleme bei der Grenze, obwohl ich alleine einen Ausreisestempel abholen musste, er hatte die togoische Staatsbürgerschaft und musste deswegen nichts ausfüllen. Dann plötzlich ein „Bon Arrivé“ und ich wusste ich bin wieder im guten alten Togo ein Anderer rief „MahnSchaffte“ und „Deäutchelohnde“., Mario hatte auf mich gewartet und hat mich an etlichen Taxifahrern vorbei in ein Auto gebracht. Ich hatte ihm erzählt ich müsste noch nach Kpalimé fahren und als ich den Fahrer fragt, wie teuer es wohl zu der Taxihaltestelle sei stellte sich her raus, dass das Auto Mario gehört und es sein Bruder ist der fährt! Das war ja toll und so nett, dass sie mich noch bis zur Station gefahren haben.




Das Taxi nach Kpalimé sollte sich nur schwer füllen und so sind wir nicht für die ganze Zeit zu viert auf der Rückbank gefahren, was ganz angenehm war. Gegen 21:00 Uhr sollte ich dann endlich in Kpalimé ankommen und ich bin müde nach Hause gelaufen, wo mich schon ein kleines Abendbrot und danach mein Bett erwartete.
So nun habt ihr einen kleinen Schwenk aus meiner knapp zwei Wöchigen Reise durch Togo und Ghana gelesen. Ich hätte noch vieles mehr erzählen können. Doch dafür habe ich hier keinen Platz mehr und ich denke die wichtigsten Erlebnisse habe ich geschildert. Die Stadt und Menscheneindrücke kann ich nicht mal in Worte fassen, daher hoffe ich, dass einige der Bilder dies zum Teil verdeutlichen. Weiterhin hatten wir fast jeden Tag mit neuen lokalen Sprachen zu tun, auf was ich leider auch nicht eingehen konnte. Ich hatte eine wahnsinnig gute Zeit und freue mich jetzt umso mehr weiter in meinem Projekt zu helfen und neue Ideen in die Wirklichkeit umzusetzen. Dank ihrer Hilfe, war es mir möglich Land und Leute kennenzulernen und somit mein Verständnis über die Kultur und einigen regionalen Unterschieden auszuweiten.
Danke für eure Zeit und Unterstützung!
Sebastian Thalheim.

 

17.12.2014

2. Monat Überblick



Hallo ihr Lieben!

Ich komme schon wieder nicht hinterher alles in den Blog zu stellen, was ich hier so erlebe. Nun ist schon der 2. Monat wie im Fluge vergangen. Gesund bin ich wie eh und jeh und viele neue Dinge habe ich erleben dürfen. Einiges möchte ich hier zusammenfassend berichten und hoffe, dass ich näheres noch auf dem Blog veröffentlichen kann…


Die Arbeit

Die Arbeit bei AGERTO ist nicht weniger geworden, sondern tendenziell sogar mehr. Ich habe Einsicht in die Buchhaltung bekommen, den Computerkurs weiter ausgebaut, im Garten gearbeitet, einige Besucher im Zentrum empfangen und herumgeführt, an der Webseite des Projekts gearbeitet, viele Berichte für die Facebookseite geschrieben u.v.a.m.
Der Computerkurs

Der Computerkurs, den ich ins Leben gerufen habe, läuft sehr gut, auch wenn oft kein Internet oder gar der Strom weg ist, dann lasse ich mir aber etwas anderes einfallen und es macht trotzdem Spaß. Zuerst wollte ich mit allen eine E-mail Adresse einrichten, sodass wir einen Facebook-Account einrichten können, um untereinander in Kontakt zu treten, Fotos zu versenden, oder auch mir in Deutschland berichten, können wie es so voran geht im Projekt. Dazu habe ich auch ein Arbeitsblatt mit vielen Bildern entworfen, da viele schlecht Lesen oder schreiben können. Doch mein Motto lautet Übung macht den Meister. So denn das Internet nicht da ist, haben wir zusammen die Deutsche und bald auch die Togolesische Flagge in Word erstellt, sodass sie später auch für ihr eigenes Geschäft Flyer, Briefe, Visitenkarten oder Plakate herstellen können. Es macht viel Spaß mit den Jugendlichen zu arbeiten, obwohl es mir manchmal schwer fällt etwas fachspezifisches auf Französisch zu erklären, aber zu Glück gibt es hier einen einheimischen Informatiklehrer, der mir unterstützend an der Seite steht, sein Name ist Frederik oder auch einfach Fredo. Er kann auch ein bisschen Deutsch, spricht außer Französisch auch noch Arabisch und natürlich Ewe.
Die Buchhaltung

Die Buchhaltung ist auch sehr interessant, hier immer hin schon in Excel gestaltet. Meine Idee war, auch mal Grafiken über Ein und Ausgaben zu erstellen und somit die „Geldschlucker“ besser erkennen zu können. Weiterhin soll nun bald auf eine kommerzielle Softwarelösung umgestiegen werden; das interessiert mich natürlich auch.    
Die Webseite

Der Internetauftritt auf agerto.jimdo.com ist schon sehr veraltet und es kommt mir vor, als ob immer mal einfach Dinge eingefügt wurden, die aber kein Gesamtkonzept aufweisen. Von wegen, was möchte der Besucher auf der Internetseite erfahren, was möchten wir vom Besucher usw. Daher habe ich mich an ein Konzept gewagt, jedoch ist es mit der kostenlosen Version sehr schwierig eine brauchbare mehrsprachige Seite zu entwerfen. Bis jetzt gibt es nämlich eine französische und eine deutsche Internetadresse, aber diese haben kein einheitliches Design.  
Die Besucher

Auch einige Besucher kamen zu uns ins Zentrum. Unter anderen ein Ehepaar aus Mannheim, die hier als Delegation eines Vereins zum 5. Mal nach Togo gekommen sind, um ihre Projekte zu begutachten. Wie sie auf AGERTO gekommen sind ist ganz lustig. Denn das Visum haben sie nicht in einer Togolesischen Botschaft sondern bei einem togolesischen Hochkonsul beantragt. Eben dieser ist ein guter Freund von Messan und legt zu jedem Visum immer einen Flyer von AGERTO dazu… Da das Ehepaar zufällig in Kpalime halt gemacht und den Flyer nicht vergessen hatten, sind sie vorbei gekommen und waren nach einer kleinen Tour hoch auf begeistert.
Neue Ideen

Für das Projekt habe ich auch noch viele weitere Ideen.  So will ich demnächst Interviews mit Videos von allen Lehrlingen und Lehrern anfertigen und diese dann in Steckbriefen auswerten, die dann auf die Internetseite gestellt werden. Ich erhoffe mir, dass über einen solchen direkten Kontakt, Menschen überzeugt werden können Patenschaften für einzelne Auszubildende zu übernehmen, mit dessen Hilfe eine medizinische Versorgung, tägliches Essen, sowie Kleidung und Arbeitsmaterial zur Verfügung gestellt werden können. Leider können wir den Lehrern keine angemessen Gehälter zahlen, da dafür das Geld nicht reicht. Doch das ist fatal, denn einige Lehrer sind deswegen unmotiviert und sind teilweise etwas nachlässig mit der Ausbildung, was natürlich allen schadet. Daher würde eine finanzielle Unterstützung auch der Lehrer Nachaltig die gesamte Ausbildung verbessern und somit den Jugendlichen eine bessere Chance in der Zukunft geben.
Bis jetzt ist nur die Möglichkeit einer Patenschaft angedeutet, das will ich ändern…

                Die Spendersuche

Natürlich besteht meine Aufgabe auch darin, direkt Spender für das Projekt zu finden. Da wir z.B. auf ca. 15 000€ Schulden sitzen, da das Gebäude der Schreinerei und Schweißerei schnell, auch ohne ausreichend Spenden aufgebaut werden musste, damit die Lehrlinge ihre Ausbildung nicht in brühender Hitze oder strömendem Regen abhalten müssen.
Die Mappe und der Stadtplan

Weiterhin habe ich mir überlegt, dass ich ganz schön ins kalte Wasser gefallen bin und mir mühsam in den ersten 2 Monaten viel an Wissen über das Projekt, die Stadt, die Kultur usw. aneignen musste und ich doch relativ auf mich allein gestellt war. Daher die Idee eine Mappe für die nachfolgenden Freiwilligen zu enterwerfen mit Tipps und Tricks, kulturelle Unterschiede, nützliche Ewe Wendungen, Projektstruktur, Was wurde schon realisiert, wer sind die Partner usw. usf. Auch habe ich festgestellt, dass es keine Straßennamen geschweige denn eine Karte von Kpalimé gibt, daher habe ich mir Sattelitenbilder aus dem Internet gesucht, diese mühsam mit einem Grafikprogramm zusammengefügt und somit eine große Karte anfertigen können, indem ich die Haupt- und Nebenstraßen nachgezeichnet habe und nun eine saubere Karte des Straßennetzes von Kpalimé besitze, welches nun nur noch beschriftet und gestaltet werden muss und dann zusammen mit all den anderen Tipps und Tricks in eine Mappe getan und an die nächsten Volontäre weiter gegeben werden kann. Dadurch wird die Einarbeitungszeit, denke ich um einiges verkürzt und somit die Arbeit früher und effektiver angefangen…
Ihr merkt schon es gibt viel zu tun, ich habe viele Ideen und bin zuversichtlich, dass ich vieles davon umsetzten kann.
Agerto arbeitet auch!

 Aber auch AGERTO ist nicht untätig gewesen. Es wurde weiter fleißig am Wasserturm für das Krankenhaus in Goudeve gearbeitet und am 23.11 wurde dieser feierlich eingeweiht. Das Wasser wird über 30 000 Menschen zu gute kommen und rettet schon jetzt Leben. Weiterhin haben 11 Lehrlinge der Schreinerei, Schweißerei und Schneiderei  ihre dreijährige Ausbildung abgeschlossen und auch dies wurde mit großen Festivitäten am 21.11 zelebriert, dazu aber bald noch genaueres.
Die Freizeit

Habe ich überhaupt Zeit noch etwas anderes zu machen außer zu arbeiten? JA! Unter der Woche habe ich zwar immer nicht so viel Zeit, aber trotzdem treffe ich mich manchmal mit den anderen Freiwilligen um, Skat, Schach o.ä. zu spielen, einen Film zu schauen oder essen zu gehen. Aber auch mit einheimischen auf ein Bier oder einen kleinen Spaziergang. Seit kurzem gibt es gleich neben meinem Zimmer einen „Sa Dort verbringe ich auch manchmal meine Zeit bei einem spannenden Fußballmatch Bayern München gegen Togo o.ä.
lle de jeux“ – eine Spielzimmer, wo ein paar alte Röhrefernseher und PS2en stehen, das sind alte Spielekonsolen.
Der Klavierspielentzug

Wie einige vielleicht wissen, spiele ich ja eigentlich seit 10 Jahren Klavier und um ehrlich zu sein, habe ich noch nie in dieser Zeit länger als 3-4 Wochen kein Klavier gespielt… Und hier waren es jetzt schon fast zwei Monate! Da bekam ich schon Entzugserscheinungen, ich fing an vom Klavierspielen zu träumen. Es war manchmal so, dass ich abends beim Einschlafen die Finger bewegte und mir die Töne im Kopf vorgestellt habe oder aber das Gefühl wie wenn man denkt man ist auf Toilette hochschreckt und merkt man liegt im Bett und muss aber ganz nötig so war das auch manchmal wenn ich aus einem Traum hochschreckte mit dem Klavierspielen. Ich hatte mich schon umgehört, aber niemand hatte Zugang zu einem Klavier bzw. Keyboard. Bis ich einen Herrn Dr. Kom kennen lernte, der einen Momo kannte, der einen Künstler kannte, der ein Piano haben sollte… Naja es sollte ein kleines 5 Oktaven Keyboard ohne gewichtete Tasten sein, aber besser als gar nichts dachte ich mir. Es war wirklich erleichternd mal wieder in die Tasten hauen zu können und erstaunlicher Weise hatte ich gar nicht mal so viel vergessen. Das dazu, es gibt also auch Klavierspielentzug…
Die Wochenenden

Dann bleiben ja auch noch die Wochenenden! Keine Arbeit heißt viel Zeit zum schlafen und zum Unternehmen.  Ich war u.a. in Tomegbe, einem kleinen Bergdorf bei Messan zu Hause und habe mit seinem Sohn Samson einen Wasserfall besichtigt, oder wir waren auch im Norden in Kara zu einer Beerdigung eines einheimischen Bekannten von mir, der an Hepatitis und Leberkrebs gestorben ist. Dazu aber bei Gelegenheit mehr. Wenn ich mal gerade nicht auf Reisen bin, dann gehen wir gerne auf die weitläufigen Märkte und schlendern ein wenig herum, sich von den Angeboten begeistern lassend, und bei einer frischen Kokosnuss und einem Hibiskussaft die Sonne auf das Haupt scheinen lassen. Oder aber ein Schwimmbecken eines der viele Hotels der Umgebung besuchen und dort leckere Avocado und Papaya essen, die Beine hochlegen und unter Palmen den Tag genießen. Oder man lässt sich bei einem Besuch in einer Boutique bei einem frischen Ananassaft, afrikanische Kunst, Trommelrhythmen und Spiele vorstellen um nur einiges zu nennen…    

Ich hoffe ich schaffe es einiges noch ausführlicher zu beschreiben, aber so habt ihr erst mal einen groben Überblick!