17.12.2014

2. Monat Überblick



Hallo ihr Lieben!

Ich komme schon wieder nicht hinterher alles in den Blog zu stellen, was ich hier so erlebe. Nun ist schon der 2. Monat wie im Fluge vergangen. Gesund bin ich wie eh und jeh und viele neue Dinge habe ich erleben dürfen. Einiges möchte ich hier zusammenfassend berichten und hoffe, dass ich näheres noch auf dem Blog veröffentlichen kann…


Die Arbeit

Die Arbeit bei AGERTO ist nicht weniger geworden, sondern tendenziell sogar mehr. Ich habe Einsicht in die Buchhaltung bekommen, den Computerkurs weiter ausgebaut, im Garten gearbeitet, einige Besucher im Zentrum empfangen und herumgeführt, an der Webseite des Projekts gearbeitet, viele Berichte für die Facebookseite geschrieben u.v.a.m.
Der Computerkurs

Der Computerkurs, den ich ins Leben gerufen habe, läuft sehr gut, auch wenn oft kein Internet oder gar der Strom weg ist, dann lasse ich mir aber etwas anderes einfallen und es macht trotzdem Spaß. Zuerst wollte ich mit allen eine E-mail Adresse einrichten, sodass wir einen Facebook-Account einrichten können, um untereinander in Kontakt zu treten, Fotos zu versenden, oder auch mir in Deutschland berichten, können wie es so voran geht im Projekt. Dazu habe ich auch ein Arbeitsblatt mit vielen Bildern entworfen, da viele schlecht Lesen oder schreiben können. Doch mein Motto lautet Übung macht den Meister. So denn das Internet nicht da ist, haben wir zusammen die Deutsche und bald auch die Togolesische Flagge in Word erstellt, sodass sie später auch für ihr eigenes Geschäft Flyer, Briefe, Visitenkarten oder Plakate herstellen können. Es macht viel Spaß mit den Jugendlichen zu arbeiten, obwohl es mir manchmal schwer fällt etwas fachspezifisches auf Französisch zu erklären, aber zu Glück gibt es hier einen einheimischen Informatiklehrer, der mir unterstützend an der Seite steht, sein Name ist Frederik oder auch einfach Fredo. Er kann auch ein bisschen Deutsch, spricht außer Französisch auch noch Arabisch und natürlich Ewe.
Die Buchhaltung

Die Buchhaltung ist auch sehr interessant, hier immer hin schon in Excel gestaltet. Meine Idee war, auch mal Grafiken über Ein und Ausgaben zu erstellen und somit die „Geldschlucker“ besser erkennen zu können. Weiterhin soll nun bald auf eine kommerzielle Softwarelösung umgestiegen werden; das interessiert mich natürlich auch.    
Die Webseite

Der Internetauftritt auf agerto.jimdo.com ist schon sehr veraltet und es kommt mir vor, als ob immer mal einfach Dinge eingefügt wurden, die aber kein Gesamtkonzept aufweisen. Von wegen, was möchte der Besucher auf der Internetseite erfahren, was möchten wir vom Besucher usw. Daher habe ich mich an ein Konzept gewagt, jedoch ist es mit der kostenlosen Version sehr schwierig eine brauchbare mehrsprachige Seite zu entwerfen. Bis jetzt gibt es nämlich eine französische und eine deutsche Internetadresse, aber diese haben kein einheitliches Design.  
Die Besucher

Auch einige Besucher kamen zu uns ins Zentrum. Unter anderen ein Ehepaar aus Mannheim, die hier als Delegation eines Vereins zum 5. Mal nach Togo gekommen sind, um ihre Projekte zu begutachten. Wie sie auf AGERTO gekommen sind ist ganz lustig. Denn das Visum haben sie nicht in einer Togolesischen Botschaft sondern bei einem togolesischen Hochkonsul beantragt. Eben dieser ist ein guter Freund von Messan und legt zu jedem Visum immer einen Flyer von AGERTO dazu… Da das Ehepaar zufällig in Kpalime halt gemacht und den Flyer nicht vergessen hatten, sind sie vorbei gekommen und waren nach einer kleinen Tour hoch auf begeistert.
Neue Ideen

Für das Projekt habe ich auch noch viele weitere Ideen.  So will ich demnächst Interviews mit Videos von allen Lehrlingen und Lehrern anfertigen und diese dann in Steckbriefen auswerten, die dann auf die Internetseite gestellt werden. Ich erhoffe mir, dass über einen solchen direkten Kontakt, Menschen überzeugt werden können Patenschaften für einzelne Auszubildende zu übernehmen, mit dessen Hilfe eine medizinische Versorgung, tägliches Essen, sowie Kleidung und Arbeitsmaterial zur Verfügung gestellt werden können. Leider können wir den Lehrern keine angemessen Gehälter zahlen, da dafür das Geld nicht reicht. Doch das ist fatal, denn einige Lehrer sind deswegen unmotiviert und sind teilweise etwas nachlässig mit der Ausbildung, was natürlich allen schadet. Daher würde eine finanzielle Unterstützung auch der Lehrer Nachaltig die gesamte Ausbildung verbessern und somit den Jugendlichen eine bessere Chance in der Zukunft geben.
Bis jetzt ist nur die Möglichkeit einer Patenschaft angedeutet, das will ich ändern…

                Die Spendersuche

Natürlich besteht meine Aufgabe auch darin, direkt Spender für das Projekt zu finden. Da wir z.B. auf ca. 15 000€ Schulden sitzen, da das Gebäude der Schreinerei und Schweißerei schnell, auch ohne ausreichend Spenden aufgebaut werden musste, damit die Lehrlinge ihre Ausbildung nicht in brühender Hitze oder strömendem Regen abhalten müssen.
Die Mappe und der Stadtplan

Weiterhin habe ich mir überlegt, dass ich ganz schön ins kalte Wasser gefallen bin und mir mühsam in den ersten 2 Monaten viel an Wissen über das Projekt, die Stadt, die Kultur usw. aneignen musste und ich doch relativ auf mich allein gestellt war. Daher die Idee eine Mappe für die nachfolgenden Freiwilligen zu enterwerfen mit Tipps und Tricks, kulturelle Unterschiede, nützliche Ewe Wendungen, Projektstruktur, Was wurde schon realisiert, wer sind die Partner usw. usf. Auch habe ich festgestellt, dass es keine Straßennamen geschweige denn eine Karte von Kpalimé gibt, daher habe ich mir Sattelitenbilder aus dem Internet gesucht, diese mühsam mit einem Grafikprogramm zusammengefügt und somit eine große Karte anfertigen können, indem ich die Haupt- und Nebenstraßen nachgezeichnet habe und nun eine saubere Karte des Straßennetzes von Kpalimé besitze, welches nun nur noch beschriftet und gestaltet werden muss und dann zusammen mit all den anderen Tipps und Tricks in eine Mappe getan und an die nächsten Volontäre weiter gegeben werden kann. Dadurch wird die Einarbeitungszeit, denke ich um einiges verkürzt und somit die Arbeit früher und effektiver angefangen…
Ihr merkt schon es gibt viel zu tun, ich habe viele Ideen und bin zuversichtlich, dass ich vieles davon umsetzten kann.
Agerto arbeitet auch!

 Aber auch AGERTO ist nicht untätig gewesen. Es wurde weiter fleißig am Wasserturm für das Krankenhaus in Goudeve gearbeitet und am 23.11 wurde dieser feierlich eingeweiht. Das Wasser wird über 30 000 Menschen zu gute kommen und rettet schon jetzt Leben. Weiterhin haben 11 Lehrlinge der Schreinerei, Schweißerei und Schneiderei  ihre dreijährige Ausbildung abgeschlossen und auch dies wurde mit großen Festivitäten am 21.11 zelebriert, dazu aber bald noch genaueres.
Die Freizeit

Habe ich überhaupt Zeit noch etwas anderes zu machen außer zu arbeiten? JA! Unter der Woche habe ich zwar immer nicht so viel Zeit, aber trotzdem treffe ich mich manchmal mit den anderen Freiwilligen um, Skat, Schach o.ä. zu spielen, einen Film zu schauen oder essen zu gehen. Aber auch mit einheimischen auf ein Bier oder einen kleinen Spaziergang. Seit kurzem gibt es gleich neben meinem Zimmer einen „Sa Dort verbringe ich auch manchmal meine Zeit bei einem spannenden Fußballmatch Bayern München gegen Togo o.ä.
lle de jeux“ – eine Spielzimmer, wo ein paar alte Röhrefernseher und PS2en stehen, das sind alte Spielekonsolen.
Der Klavierspielentzug

Wie einige vielleicht wissen, spiele ich ja eigentlich seit 10 Jahren Klavier und um ehrlich zu sein, habe ich noch nie in dieser Zeit länger als 3-4 Wochen kein Klavier gespielt… Und hier waren es jetzt schon fast zwei Monate! Da bekam ich schon Entzugserscheinungen, ich fing an vom Klavierspielen zu träumen. Es war manchmal so, dass ich abends beim Einschlafen die Finger bewegte und mir die Töne im Kopf vorgestellt habe oder aber das Gefühl wie wenn man denkt man ist auf Toilette hochschreckt und merkt man liegt im Bett und muss aber ganz nötig so war das auch manchmal wenn ich aus einem Traum hochschreckte mit dem Klavierspielen. Ich hatte mich schon umgehört, aber niemand hatte Zugang zu einem Klavier bzw. Keyboard. Bis ich einen Herrn Dr. Kom kennen lernte, der einen Momo kannte, der einen Künstler kannte, der ein Piano haben sollte… Naja es sollte ein kleines 5 Oktaven Keyboard ohne gewichtete Tasten sein, aber besser als gar nichts dachte ich mir. Es war wirklich erleichternd mal wieder in die Tasten hauen zu können und erstaunlicher Weise hatte ich gar nicht mal so viel vergessen. Das dazu, es gibt also auch Klavierspielentzug…
Die Wochenenden

Dann bleiben ja auch noch die Wochenenden! Keine Arbeit heißt viel Zeit zum schlafen und zum Unternehmen.  Ich war u.a. in Tomegbe, einem kleinen Bergdorf bei Messan zu Hause und habe mit seinem Sohn Samson einen Wasserfall besichtigt, oder wir waren auch im Norden in Kara zu einer Beerdigung eines einheimischen Bekannten von mir, der an Hepatitis und Leberkrebs gestorben ist. Dazu aber bei Gelegenheit mehr. Wenn ich mal gerade nicht auf Reisen bin, dann gehen wir gerne auf die weitläufigen Märkte und schlendern ein wenig herum, sich von den Angeboten begeistern lassend, und bei einer frischen Kokosnuss und einem Hibiskussaft die Sonne auf das Haupt scheinen lassen. Oder aber ein Schwimmbecken eines der viele Hotels der Umgebung besuchen und dort leckere Avocado und Papaya essen, die Beine hochlegen und unter Palmen den Tag genießen. Oder man lässt sich bei einem Besuch in einer Boutique bei einem frischen Ananassaft, afrikanische Kunst, Trommelrhythmen und Spiele vorstellen um nur einiges zu nennen…    

Ich hoffe ich schaffe es einiges noch ausführlicher zu beschreiben, aber so habt ihr erst mal einen groben Überblick!

18.11.2014

Besuch eines Waisenhauses




09. Oktober 2014


Heute habe ich zusammen mit Tjada Ingrid´s Waisenhaus besucht, dessen Gebäude Anfang diesen Jahres mit der Hilfe von AGERTO erneuert und eingerichtet wurden. In der Schreinerei entstanden in Rekordzeit Schulbänke, Fensterrahmen, Möbelstücke und vieles mehr, die jetzt noch einmal in Augenschein genommen werden. Kleinere Verbesserungen, wie zum Beispiel die Begradigung der Nachtschränkchen, werden nun in Angriff genommen. 



Messan hatte uns hingefahren und wir haben uns das Gelände angeschaut. Es gibt 5 Klassenräume und zwei große Gebäude für die Waisenkinder, um zum schlafen. Die Kindern bekommen vom Kindergarten bis zur 4. Klasse kostenlos Unterricht und werden jeden Tag bekocht. Besonders beeindruckt haben mich die vielen glücklichen Gesichter der jungen Menschen, die im Waisenhaus ein Zuhause gefunden haben. Sie sind alle zu uns gekommen und haben uns angefasst und wollten mit uns spielen. Es war wirklich eine schöne Erfahrung.

Tag der deutschen Einheit

3. Oktober - 1. Tag vom Wochenende in Lomé


Am 3. Oktober wurden wir zum Tag der Deutschen Einheit in die Deutsche Botschaft in Lomé eingeladen. 


Dazu hieß es mit dem Postbus nach Lomé. Der Postbus insofern sehr praktisch, da er halbwegs geregelte Abfahrtszeiten hat und man garantiert einen Sitzplatz für sich alleine bekommt. Dort sind wir zusammen mit 6 anderen Freiwilligen in ca. 2 Stunden nach Lomé, der Hauptstadt gefahren. Die Zeit ging ganz schnell vorbei, da wir uns alle noch nicht so gut kannten und es viel zu erzählen gab. 




In Lomé angekommen bin ich mit Simon(Freiwilliger) und Stan(Einheimischer) zusammen zu Stans Zimmer, welches er für seine Zeit in der Universität gemietet hat. Es ist ein kleines 5 m² großer Raum, aber es gibt einen Schreibtisch und ein Bett, sowie einen kleinen Esstisch, also alles, was man so zum leben braucht. Nachdem wir uns frisch gemacht haben gings schon los in Richtung Deutsche Botschaft. Ein Moto zu finden ist nicht schwer, aber dann noch einen angemessenen Preis zu bekommen nicht so einfach. Denn einen Weißen zur Deutschen Botschaft zu fahren geschniegelt und geschnagelt versteht sich schaut nach einer Goldgrube aus... Naja nun endlich sind wir angekommen. 

Nach einem großen Buffet, bei dem es Sauerkraut und Leberkäse gab und noch so manch anderes deftiges Essen, hat der neue deutsche Botschafter eine kurze Rede gehalten, bei der er die Wichtigkeit des Engagements der Freiwilligen in Togo betonte und zur Unterstützung aufrief. 
Auch Messan war anwesenden und hat sich dem neuen Botschafter vorgestellt.

Dann gab es noch einen Film "Zug in die Freiheit" der über die Züge aus den Botschaften nach Westdeutschland berichtete. Es waren sehr viele Freiwillige, bestimmt 100 anwesend und wir haben uns bei Speis und Trank gut unterhalten. Auch viele Angestellte der Botschaft und andere Funktionäre der ENtwicklungsarbeit wie die GIZ waren vor Ort.

Danach ging es noch in die Reggae Bar Sunset, wo wir bis spät in die Nacht gefeiert haben.


Spät in der Nacht sind wir dann bei Stan in tiefen Schlaf versunken und der 1. Tag in Lomé geht zu Ende.


Sebastian.

07.11.2014

Bericht erste–naja nur erster Arbeitstag

Nun werde ich also nochmal etwas ausführlicher Bericht erstatten, leider hatte ich so viel über den ersten Tag zu berichten, dass ich es noch nicht weiter geschafft habe... 


Es war also der erste Arbeitstag. Ich bin aufgestanden, habe mich geschickt aus dem Bett geschwungen und meine Füße auf den noch blanken kalten Steinboden gestellt. Bald werde ich mir einen Teppich besorgen, sodass ich morgens noch ein wenig im Sitzen ausharren kann. Meine Sachen liegen noch in den Koffern, schnell ein T-Shirt und eine Hose ausgesucht und an den Schreibtisch mit Brot und Tee gesetzt; das Frühstück bereite ich mir mit dem Messer, welches ich aus Deutschland mitgebracht habe, das Brot wird geschnitten und mit der Butter, die eigentlich Margarine ist bestrichen und der leicht süße Geschmack zergeht auf der Zunge und wir mit dem Zitronengras Tee hinunter gespült. Jetzt geht’s ans Duschen und Zähneputzen. In die Flip-Flops geschlüpft und nach Draußen. Dort herrscht schon reges Treiben, es wird gewaschen, Musik schallt und es wird sich unterhalten; ich werde nett Begrüßt und auf die Frage, ob ich gut geschlafen hätte folgt mein zaghaftes „Qui“. Mit Duschgel, Zahnpaste, Zahnbürste, Handtuch und Wasserflasche geht’s auf zur Dusche. Nun noch geschickt, balancierend das Vorhängeschloss geöffnet und rein in die gute Stube. Zu Erst putze ich mir die Zähne, denn ein Waschbecken gibt es nicht und mit dem Duschwasser kann ich dann alles sauber hinterlassen. Als Wasser zum Ausspülen habe ich anfangs noch das Flaschenwasser benutz, später soll ich erfahren, dass das gepumpte Wasser aus dem Hahn wohl nicht gefährlich sei und problemlos zum Ausspülen des Mundes genutzt werden kann. Nun läuft das Wasser kalt meinen Rücken herunter, etwas Überwindung hat es schon gekostet, dass kalte Wasser aus dem Duschkopf auf den noch kopfkissenwarmen Schopf zu gießen, doch erfrischen tut es allemal. Wieder in meinem Zimmer, noch mit Sonnencreme und Insektenschutzmittel eingeschmiert und los gehts
.

Es ist jetzt 6:45 Uhr und Angèle steht schon vor meiner Tür, nun meinen Rucksack auf den Rücken gepackt, mit Computer, Wasserflasche, etwas Brot und meinem Schreibblock, und auf geht’s, mit schallender afrikanischer Handymusik in Richtung AGERTO. Wir kommen an kleinen Marktständen vorbei, die Leute grüßen - wir grüßen zurück. Viele haben keine Küche zu Hause und deswegen wird gerne das Essen von den Frauen an der Straße gegessen. 

Nun endlich bei der Arbeit angekommen. Zum Morgenappelle wird um 7:30 die deutsche und togolesische Flagge gehisst und dann jeweils die Hymnen gesungen, gar nicht mal so schlecht.  Dann teilt mir Messan mit, das es heute Auswärts Arbeit gibt; gleich ein neues Abendteuer. Wir fahren nach Goudevé (ein Dorf im Norden von Kpalimé) zu einem Wasserturm, den AGERTO mit Hilfe der Lehrlinge und einigen Schreinermeistern und Maurern baut. So ganz klar ist mir meine Aufgabe noch  nicht, aber das wird sich schon ergeben. Also rein ins Auto, ein Ford Geländewagen und auf die wilden Straßen von Togo. Schlagloch um Schlagloch, vom Regen verspülte Wege und hupende Motos gehören an die Tagesordnung. Aber nun fahren wir auf einer gut ausgebauten Straße, welche von den Chinesen konstruiert wurde.
Beim Wasserturm angekommen, wird klar: wir sind das Auge der Öffentlichkeit. Fotos machen, den Arbeitsfortschritt dokumentieren und Interviews mit den Ärzten des Krankenhauses führen, für welches der Wasserturm gedacht ist. Zum Glück kann Tjada gut Französisch und kann die Fragen und Antworten verstehen.

Von Arbeitssicherheit ist nicht die Rede, fleißig wird auf dem hohen Gerüst aus Holzbalken herumspaziert und auch Messan erklimmt eine Holzleiter, die an den Turm angelehnt ist.

Es gibt wohl keinen Richtigen Arzt nur Krankenpfleger und 12 000 Menschen nutzen die Krankenstation als Anlaufstelle im Jahr. Es gibt keinen Platz für Betten, sodass die Patienten zu Hause liegen müssen. Es gibt auch keinen Krankentransport; wenn man also einen Unfall hat muss man auf Freunde und Verwandte mit Autos und Motos setzten, die einen in das nächstbeste Krankenhaus bringen. Ein total verfallenes Gebäude, welches früher mal als Krankenstation genutzt wurde, wird nun von einer amerikanischen Freiwilligen und ihrer Familie finanziert und langsam wieder auf Vordermann gebracht. Naja alles recht ernüchternd, aber zum Glück gibt es einen ersten Lichtblick, denn mit dem Wasserturm ist es nun möglich Krankheiten, welche durch Nutzung von schmutzigem Wasser hervorgerufen werden entgegen zu wirken und auch die Hygiene im Krankenhaus kann dadurch gesteigert werden. Zum Mittag, gab es bei strömendem Regen Fufu, das ist gestampfter Jams mit einer Fleischsoße. Unter einer Wellblechhütte wurde nach dem Waschen das Essen mit der Hand zu sich genommen. Es ging  ganz gut und ist nicht so schwer, wie etwa mit Stäbchen zu essen. 

Danach wollte Messan uns noch etwas ganz besonderes zeigen. Ich konnte meinen Augen nicht trauen, denn was ich jetzt sehen sollte, hätte ich nicht für möglich gehalten. Messan schloss die Pforte, die in einer großen Mauer mit Stacheldraht bestückt ist auf, wir treten ein und ich stehe vor einer Villa mit Springbrunnen, großen Fenstern und kleinen Säulen, die die Eingangshalle schmücken. In jedem Raum gibt es einen großen Fernseher, weiterhin ist eine große Küche mit Herd und Ofen und einen Whirlepool(!!) vorhanden. Bewohnt ist das Haus nur 2 Wochen im Jahr. Nur ein Gärtner und ein Wächter sind noch dort. Es wurde von einem reichen Togoläsen, der in Frankreich ein Umzugsunternehmen leitet gebaut. Er soll sich aber sehr für das Dorf und vor Allem um die Kinder gekümmert haben, so bezahlt er u.a. für 100 Schüler/innen das Schulgeld und unterstützt auch sonst soziale Projekte. Ich fühlte mich wie in einer anderen Welt, so viel Luxus bin ich auch aus Deutschland nicht gewöhnt.

Naja vom Schrecken erholt ging es noch zu einer nahe gelegten Schule, dort haben sie Messan gefragt, ob er helfen könne. Es soll ein Hort für die Kinder aufgebaut werden.
Dann ging es auf zurück nach Kpalimé. Ein langer und anstrengender Tag sollte nun zu Ende gehen.

Abends gab es noch Spagetti mit einer Fisch-Tomatensoße, neben her lief im Fernsehen eine dramatische Familienserie auf Französisch, bei der ich leider nicht sehr viel verstand. Nett verabschiede ging ich dann in mein Zimmer.

Müde und mit vielen neuen Eindrücken und nachdem ich meinen Tagebucheintrag mit schlaffer Hand geschrieben hatte, bin ich wieder unters Moskitonetz geschlüpft und fiel bald in aufregende Träume von Villen und Wassertürmen…


24.10.2014

1. Monat Überblick



Hallo ihr Lieben!

Ich bin nun schon einen Monat im fernen Togo und komme gar nicht hinterher alles zu berichten, was ich so erlebe und schon erlebt habe. Dennoch möchte ich kurz zusammenfassen, was mein Leben hier so im groben ausmacht.



Arbeit

Also ich Arbeite hier immer von Montags bis Freitags von 8 Uhr bis 17 Uhr mit einer Mittagspause von 12 bis 14 Uhr. Die Arbeit im Projekt ist abwechslungsreich. Agerto bildet ja ca. 50 junge Menschen die aus sozial schwachen Verhältnissen kommen und dadurch z.B. zur Prostitution getrieben werden zu Schneidern, Schweißern, Schreinern oder Holzkünstlern aus. Neben der theoretischen Ausbildung im Projekt gibt es auch noch konkrete Projekte, wie der Bau einens Wasserturms für ein Dorf, der als Praxiserfahrung der Ausbildung dient. Dort sind wir Freiwilligen vor Ort, um Fotos zu machen und Berichte zu verfassen, Interviews zu führen und Anregungen zu geben. So auch bei einem Waisenhaus, welches von einer Deutschen finanziert und aufgebaut wurde. Alles was Messan, der Präsident von AGERTO macht muss dokumentiert und transparent weitergeleitet werden, daher sind wir auch für die Facebook-Präsens und die Gestaltung und Aktualisierung der Webseite zuständig. Weiterhin haben wir einen von ehemaligen Freiwilligen angelegten Garten in dem viel Arbeit wartet und fangen jetzt auch an verschiedene Kurse, wie Französisch, Aufklärung und Computer für die Lehrlinge anzubieten. Und viele weitere neue Ideen können und werden wir auch noch einbringen können. 


Freizeit

Neben der Arbeit bleibt nicht viel Zeit, ich werde 2 Mal am Tag warm bekocht von meiner Gastmama hier. Das Frühstück besteht derzeit aus Weißbrot, Butter und Schmierkäse mit Zitronengrastee…
Montags war ich jetzt schon zweimal beim Techwando, da gehe ich mit einem Mitfreiwilligen Simon hin, es ist kostenlos und macht Spaß, mal schauen, wie sich das so entwickelt. Sonst treffe ich mich auch viel mit den anderen ca. 6 Freiwilligen von einer Austauschorganisation und wir schauen Filme gehen über den Markt oder spielen Kartenspiele. Auch mit Einheimischen mache ich öfter einen Spaziergang oder fahre am Wochenende weg und schaue mir u.a. Wasserfälle oder ähnliches an. 

Essen 

Das Essen ist hier meist ganz anders als in Deutschland. Ich esse Mittags meist im Projekt, dort wird aber nur dreimal in der Woche warm gekocht, da leider nicht mehr Spenden fürs Essen zur Verfügung stehen. Die anderen beiden Tage macht die Gastmutter etwas für mich und wir essen das dann zusammen in der Mittagspause. Abends um 19 Uhr gibt‘s dann Abendessen. Meist auf irgendeiner Breibasis mit einer Art Fleischsoße. Dazu aber später mehr.

Menschen

Die Menschen sind hier eigentliche alle ganz offen und freundlich. Abends brauche ich mir keine Sorgen zu machen, denn man grüßt sich und die Situation ist sehr entspannt. Es gibt ja keine Straßenbeleuchtung, aber jetzt weiß ich auch, warum die Handys eine Leuchtfunktion besitzen. 

Sprache

Auch wenn mein Französisch noch etwas holperig ist, geht es ganz gut mit der Verständigung. Alle Menschen sprechen hier auch Ewe und meist auch nur Ewe miteinander. Das ist etwas schade, aber auch eine spannende Sprache und wenn man nachfragt, oder bittet, dass auf Französisch gesprochen wird, dann ist das auch kein Problem.

Ich werde alles nochmal ganz ausführlich mit Wochenberichten erläutern, aber erstmal hier ein kurzer Überblick… 

Ich hoffe euch geht’s allen gut!
Euer Sebastian.