17.12.2014

2. Monat Überblick



Hallo ihr Lieben!

Ich komme schon wieder nicht hinterher alles in den Blog zu stellen, was ich hier so erlebe. Nun ist schon der 2. Monat wie im Fluge vergangen. Gesund bin ich wie eh und jeh und viele neue Dinge habe ich erleben dürfen. Einiges möchte ich hier zusammenfassend berichten und hoffe, dass ich näheres noch auf dem Blog veröffentlichen kann…


Die Arbeit

Die Arbeit bei AGERTO ist nicht weniger geworden, sondern tendenziell sogar mehr. Ich habe Einsicht in die Buchhaltung bekommen, den Computerkurs weiter ausgebaut, im Garten gearbeitet, einige Besucher im Zentrum empfangen und herumgeführt, an der Webseite des Projekts gearbeitet, viele Berichte für die Facebookseite geschrieben u.v.a.m.
Der Computerkurs

Der Computerkurs, den ich ins Leben gerufen habe, läuft sehr gut, auch wenn oft kein Internet oder gar der Strom weg ist, dann lasse ich mir aber etwas anderes einfallen und es macht trotzdem Spaß. Zuerst wollte ich mit allen eine E-mail Adresse einrichten, sodass wir einen Facebook-Account einrichten können, um untereinander in Kontakt zu treten, Fotos zu versenden, oder auch mir in Deutschland berichten, können wie es so voran geht im Projekt. Dazu habe ich auch ein Arbeitsblatt mit vielen Bildern entworfen, da viele schlecht Lesen oder schreiben können. Doch mein Motto lautet Übung macht den Meister. So denn das Internet nicht da ist, haben wir zusammen die Deutsche und bald auch die Togolesische Flagge in Word erstellt, sodass sie später auch für ihr eigenes Geschäft Flyer, Briefe, Visitenkarten oder Plakate herstellen können. Es macht viel Spaß mit den Jugendlichen zu arbeiten, obwohl es mir manchmal schwer fällt etwas fachspezifisches auf Französisch zu erklären, aber zu Glück gibt es hier einen einheimischen Informatiklehrer, der mir unterstützend an der Seite steht, sein Name ist Frederik oder auch einfach Fredo. Er kann auch ein bisschen Deutsch, spricht außer Französisch auch noch Arabisch und natürlich Ewe.
Die Buchhaltung

Die Buchhaltung ist auch sehr interessant, hier immer hin schon in Excel gestaltet. Meine Idee war, auch mal Grafiken über Ein und Ausgaben zu erstellen und somit die „Geldschlucker“ besser erkennen zu können. Weiterhin soll nun bald auf eine kommerzielle Softwarelösung umgestiegen werden; das interessiert mich natürlich auch.    
Die Webseite

Der Internetauftritt auf agerto.jimdo.com ist schon sehr veraltet und es kommt mir vor, als ob immer mal einfach Dinge eingefügt wurden, die aber kein Gesamtkonzept aufweisen. Von wegen, was möchte der Besucher auf der Internetseite erfahren, was möchten wir vom Besucher usw. Daher habe ich mich an ein Konzept gewagt, jedoch ist es mit der kostenlosen Version sehr schwierig eine brauchbare mehrsprachige Seite zu entwerfen. Bis jetzt gibt es nämlich eine französische und eine deutsche Internetadresse, aber diese haben kein einheitliches Design.  
Die Besucher

Auch einige Besucher kamen zu uns ins Zentrum. Unter anderen ein Ehepaar aus Mannheim, die hier als Delegation eines Vereins zum 5. Mal nach Togo gekommen sind, um ihre Projekte zu begutachten. Wie sie auf AGERTO gekommen sind ist ganz lustig. Denn das Visum haben sie nicht in einer Togolesischen Botschaft sondern bei einem togolesischen Hochkonsul beantragt. Eben dieser ist ein guter Freund von Messan und legt zu jedem Visum immer einen Flyer von AGERTO dazu… Da das Ehepaar zufällig in Kpalime halt gemacht und den Flyer nicht vergessen hatten, sind sie vorbei gekommen und waren nach einer kleinen Tour hoch auf begeistert.
Neue Ideen

Für das Projekt habe ich auch noch viele weitere Ideen.  So will ich demnächst Interviews mit Videos von allen Lehrlingen und Lehrern anfertigen und diese dann in Steckbriefen auswerten, die dann auf die Internetseite gestellt werden. Ich erhoffe mir, dass über einen solchen direkten Kontakt, Menschen überzeugt werden können Patenschaften für einzelne Auszubildende zu übernehmen, mit dessen Hilfe eine medizinische Versorgung, tägliches Essen, sowie Kleidung und Arbeitsmaterial zur Verfügung gestellt werden können. Leider können wir den Lehrern keine angemessen Gehälter zahlen, da dafür das Geld nicht reicht. Doch das ist fatal, denn einige Lehrer sind deswegen unmotiviert und sind teilweise etwas nachlässig mit der Ausbildung, was natürlich allen schadet. Daher würde eine finanzielle Unterstützung auch der Lehrer Nachaltig die gesamte Ausbildung verbessern und somit den Jugendlichen eine bessere Chance in der Zukunft geben.
Bis jetzt ist nur die Möglichkeit einer Patenschaft angedeutet, das will ich ändern…

                Die Spendersuche

Natürlich besteht meine Aufgabe auch darin, direkt Spender für das Projekt zu finden. Da wir z.B. auf ca. 15 000€ Schulden sitzen, da das Gebäude der Schreinerei und Schweißerei schnell, auch ohne ausreichend Spenden aufgebaut werden musste, damit die Lehrlinge ihre Ausbildung nicht in brühender Hitze oder strömendem Regen abhalten müssen.
Die Mappe und der Stadtplan

Weiterhin habe ich mir überlegt, dass ich ganz schön ins kalte Wasser gefallen bin und mir mühsam in den ersten 2 Monaten viel an Wissen über das Projekt, die Stadt, die Kultur usw. aneignen musste und ich doch relativ auf mich allein gestellt war. Daher die Idee eine Mappe für die nachfolgenden Freiwilligen zu enterwerfen mit Tipps und Tricks, kulturelle Unterschiede, nützliche Ewe Wendungen, Projektstruktur, Was wurde schon realisiert, wer sind die Partner usw. usf. Auch habe ich festgestellt, dass es keine Straßennamen geschweige denn eine Karte von Kpalimé gibt, daher habe ich mir Sattelitenbilder aus dem Internet gesucht, diese mühsam mit einem Grafikprogramm zusammengefügt und somit eine große Karte anfertigen können, indem ich die Haupt- und Nebenstraßen nachgezeichnet habe und nun eine saubere Karte des Straßennetzes von Kpalimé besitze, welches nun nur noch beschriftet und gestaltet werden muss und dann zusammen mit all den anderen Tipps und Tricks in eine Mappe getan und an die nächsten Volontäre weiter gegeben werden kann. Dadurch wird die Einarbeitungszeit, denke ich um einiges verkürzt und somit die Arbeit früher und effektiver angefangen…
Ihr merkt schon es gibt viel zu tun, ich habe viele Ideen und bin zuversichtlich, dass ich vieles davon umsetzten kann.
Agerto arbeitet auch!

 Aber auch AGERTO ist nicht untätig gewesen. Es wurde weiter fleißig am Wasserturm für das Krankenhaus in Goudeve gearbeitet und am 23.11 wurde dieser feierlich eingeweiht. Das Wasser wird über 30 000 Menschen zu gute kommen und rettet schon jetzt Leben. Weiterhin haben 11 Lehrlinge der Schreinerei, Schweißerei und Schneiderei  ihre dreijährige Ausbildung abgeschlossen und auch dies wurde mit großen Festivitäten am 21.11 zelebriert, dazu aber bald noch genaueres.
Die Freizeit

Habe ich überhaupt Zeit noch etwas anderes zu machen außer zu arbeiten? JA! Unter der Woche habe ich zwar immer nicht so viel Zeit, aber trotzdem treffe ich mich manchmal mit den anderen Freiwilligen um, Skat, Schach o.ä. zu spielen, einen Film zu schauen oder essen zu gehen. Aber auch mit einheimischen auf ein Bier oder einen kleinen Spaziergang. Seit kurzem gibt es gleich neben meinem Zimmer einen „Sa Dort verbringe ich auch manchmal meine Zeit bei einem spannenden Fußballmatch Bayern München gegen Togo o.ä.
lle de jeux“ – eine Spielzimmer, wo ein paar alte Röhrefernseher und PS2en stehen, das sind alte Spielekonsolen.
Der Klavierspielentzug

Wie einige vielleicht wissen, spiele ich ja eigentlich seit 10 Jahren Klavier und um ehrlich zu sein, habe ich noch nie in dieser Zeit länger als 3-4 Wochen kein Klavier gespielt… Und hier waren es jetzt schon fast zwei Monate! Da bekam ich schon Entzugserscheinungen, ich fing an vom Klavierspielen zu träumen. Es war manchmal so, dass ich abends beim Einschlafen die Finger bewegte und mir die Töne im Kopf vorgestellt habe oder aber das Gefühl wie wenn man denkt man ist auf Toilette hochschreckt und merkt man liegt im Bett und muss aber ganz nötig so war das auch manchmal wenn ich aus einem Traum hochschreckte mit dem Klavierspielen. Ich hatte mich schon umgehört, aber niemand hatte Zugang zu einem Klavier bzw. Keyboard. Bis ich einen Herrn Dr. Kom kennen lernte, der einen Momo kannte, der einen Künstler kannte, der ein Piano haben sollte… Naja es sollte ein kleines 5 Oktaven Keyboard ohne gewichtete Tasten sein, aber besser als gar nichts dachte ich mir. Es war wirklich erleichternd mal wieder in die Tasten hauen zu können und erstaunlicher Weise hatte ich gar nicht mal so viel vergessen. Das dazu, es gibt also auch Klavierspielentzug…
Die Wochenenden

Dann bleiben ja auch noch die Wochenenden! Keine Arbeit heißt viel Zeit zum schlafen und zum Unternehmen.  Ich war u.a. in Tomegbe, einem kleinen Bergdorf bei Messan zu Hause und habe mit seinem Sohn Samson einen Wasserfall besichtigt, oder wir waren auch im Norden in Kara zu einer Beerdigung eines einheimischen Bekannten von mir, der an Hepatitis und Leberkrebs gestorben ist. Dazu aber bei Gelegenheit mehr. Wenn ich mal gerade nicht auf Reisen bin, dann gehen wir gerne auf die weitläufigen Märkte und schlendern ein wenig herum, sich von den Angeboten begeistern lassend, und bei einer frischen Kokosnuss und einem Hibiskussaft die Sonne auf das Haupt scheinen lassen. Oder aber ein Schwimmbecken eines der viele Hotels der Umgebung besuchen und dort leckere Avocado und Papaya essen, die Beine hochlegen und unter Palmen den Tag genießen. Oder man lässt sich bei einem Besuch in einer Boutique bei einem frischen Ananassaft, afrikanische Kunst, Trommelrhythmen und Spiele vorstellen um nur einiges zu nennen…    

Ich hoffe ich schaffe es einiges noch ausführlicher zu beschreiben, aber so habt ihr erst mal einen groben Überblick!

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