04.02.2015

Reisebericht Nord Togo und Ghana Dezember 2014 bis Januar 2015

25.12.14 


Nun war es also so weit. Am 1. Weihnachtsfeiertag bin ich noch mit Manu in ein nahe gelegenes Dorf gegangen, wo wir uns mit taubstummen Freunden zum Fufustampfen verabredet hatten. Manu arbeitet nämlich in einer Schule für taubstumme Kinder und Jugendliche. Das Essen machen war wirklich anstrengend, vor allem das Fufustampfen, wobei man gekochtes Yams in einem ausgehöhlten Baumstamm, mithilfe eines großen Holzstampfers mit vollem Körpereinsatz zu einem festen Brei stampft. Dazu gab es Erdnusssoße, meine Lieblingssoße. Am Nachmittag haben wir uns alle bei Klara und Pauline(auch Freiwillige aus Deutschland) getroffen und haben dort ein vorher geplantes Wichteln durchgeführt. Wobei jeder einen Namen gezogen hatte und diesem dann sein Geschenk übergeben hat. Ich habe eine sehr schöne Holzschale und Kekse geschenkt bekommen. Zurück bei mir gab es noch Abendbrot und dann bin ich auch bald schon ins Bett, denn um 2:30 Uhr sollte der Wecker klingeln.

26.12.14
Nachdem ich mühsam aus dem Bett gestiegen bin und die letzten Dinge in meinen, sowieso schon überfüllten Rucksack gequetscht hatte, hupte schon das Taxi vor der Tür und Manu und Simon haben mich abgeholt. Überraschenderweise haben wir sogar noch zwei weitere Mitfahrer mit Fahrziel Lomé gefunden und dass mitten in der Nacht. Gegen 5:30 Uhr waren wir auch schon in Lomé, es ging wirklich flott, denn niemand war auf den Straßen unterwegs. Die Musik im Auto war auch sehr speziell, denn bei dem Titanic Schlager My Heart Will Go On, musste ich mich manchmal fragen, ob ich im richtigen Film bin…
Nach einer kurzen Wartezeit sind wir mit ausreichend Zutrinken in den klimatisierten Großbus, mit 5 Sitzen in einer Reihe eingestiegen. So einfach wie das klingen mag ist das aber keinen Falls, gedrückt, gedrängelt, geschubst und gezerrt wird, als ob alle Angst haben, dass es nicht genügend Plätze für alle geben könnte; ich habe gehofft, dass dies nicht der Fall ist. Fast pünktlich um 7:45 Uhr verließ der Bus die Haltestelle und machte sich auf in Richtung Kara, die zweite Hauptstadt Togos. Das ständige Hupen gehört natürlich mit dazu, denn wir können eh nicht so schnell bremsen… Die Straßen sind erstaunlich gut und nur alle paar hundert Meter müssen wir einem Schlagloch ausweichen.  Um 13:00 Uhr waren wir dann auch schon da, zuvor hatten wir Stopps in Atakpamé und Sokodé gemacht. Kurz vor Kara geschah etwas unglaubliches, die Straße wurde eben, es gab Mittelmarkierungen und Fahrbahnbegrenzungen, man fühlte sich wie in Amerika; überall waren Straßenschilder, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Vorfahrten usw., aus welchem Grund auch immer waren wir aber die einzigen Verkehrsteilnehmer auf der Straße, sie muss wohl noch etwas geschont werden. In Kara, haben wir unser Gepäck abgeladen und bald wurden wir von einer Freiwilligen Catharina abgeholt und zu ihrem Projektgelände von Don Bosco gebracht. Das war auch wirklich erstaunlich. Wir haben den Essensraum betreten, der in einer Kuppelform gebaut war, an den Wänden schöne Gemälde und in der Küche: Toaster, Kaffeemaschine, Kühlschrank, Kühltruhe und echte Milch. Das ist hier nicht so normal, total überwältigend sogar, denn wir sind solch einen Luxus nicht mehr gewohnt…


Es sollen noch zwei Wochen folgen, um hierdraus nicht einen Roman zu machen, möchte ich im Folgenden nur die beeindruckensten Erlebnisse kurz schildern.
In Kara sollten wir drei Nächte bleiben und dass alles ganz kostenlos inklusive sehr feinen Essens und netter Kompanie. Denn 8 „Väter“ leben vor Ort, die sich um die Schulen, Ausbildungsstätten und Auffanglager für die Kinder und Jugendlichen von der Straße kümmern. Ein zweiter Freiwilliger aus Deutschland, Gregor, arbeitet in dem Foyer für Jungen, wo er von morgens um 5:00 Uhr bis abends um 22:00 Uhr arbeitet und dort auch schläft. Er beaufsichtigt und bespaßt die Kinder und gibt Nachhilfe. Ein wahnsinniges Engagement, deswegen sind wir ja aber auch hier, um den Menschen zu helfen.
Weiterhin haben wir das Dorf des Präsidenten Namens Pya besucht. Leider zu einem etwas ungünstigen Zeitpunkt, denn der Präsident sollte am selben Tag anreisen und deswegen war es nicht erlaubt in die Nähe des Palastes zu gelangen. Wir haben aber leckeres Fufu gegessen und sind einen Berg hinaufgestiegen von wo wir den Palast auch sehen konnten.
Der nächste Tag sollte uns zu einem beeindruckenden UNESCO Weltkulturerbe führen. Wir hatten am Vorabend eine andere Freiwillige getroffen, die das gleiche Ziel mit ihrer sie besuchenden Familie hatte. Kurzentschlossen haben wir uns zusammengetan und sind mit zwei Taxis in Richtung beninische Grenze nach Kutamaku gefahren.  Das sind zweistöckige Lehmfestungen, die von Burkina Faso Flüchtlingen, die vor den Sklavenhändlern wegrannten, gebaut wurden. Neben der unglaublich ausgeklügelten Bauweise hat uns ein Konvoi aus drei Land Rovern abgelenkt, aus dem ein paar Menschen in Anzügen ausstiegen und an
fingen rote 1000 CFA (etwa 1.50€) an die Kinder, Männer und Frauen des Dorfes zu verteilen. Wie sich herausstellte, war das ein Minister, der ein bisschen produktiven Wahlkampf betrieb…
Anschießend haben wir noch das erste bewohnte „Haus“, einen hohlen Baobab Baum besucht und sind dann zu einem Restaurant gefahren, wo es auch einen Souvenir Shop gab, sowie ein Museum, wo wir auch eine nette Führung gemacht haben und so ein wenig über die Kultur erfahren haben. Interessanterweise gab es unter den traditionellen Musikinstrumenten auch ein Saiteninstrument nämlich die Gambe.

Am nächsten Tag sollte es weiter in den Norden gehen, nach Dapaong. Leider waren alle großen Busse schon ausgebucht und wir wollten nicht bis nachmittags warten und dann nachts in der Herberge ankommen. Wir sind also mit dem Moto zur Tankstelle gefahren, ein Bus stand bereit und wo sollte der hinfahren? Nach Dapaong! Nah so ein Zufall, nach 1.5 Stunden wurde der letzte Koffer auf dem Dach des TroTros(Minibus) festgeschnürt und wir konnten endlich unsere Reise fortsetzten. Mit im Bus war auch ein kleiner Affe, der als Haustier gehalten wurde. Bis auf eine kleine Autopanne verlief die Fahrt ohne Probleme. In Dapaong haben wir einfach nur ein wenig eine Stadttour gemacht, wobei es schon auffiel, dass es sehr viel weniger Bäume gab und der Harmattan deutlich zu spüren war. Das ist ein Wind von der Sahara, der viel Staub mit sich bringt und nachts sehr kalt ist. Dass ich jemals in Afrika frieren würde hätte ich nicht für möglich gehalten. Im Hotel hatten wir die Deutsche Welle im Fernsehen geschaut und es wurde ein Beitrag über Steuerbetrug gezeigt, lustiger Weise wurde in Berlin Mitte die Stadträtin interviewed, mit der ich im BezirksSchulBeirat zusammen gearbeitet habe. So klein ist die Welt, dacht ich mir da nur…  Um 11 Uhr am folgenden Tag war geplant, dass uns ein Taxi aus Ghana abholt und zur Freundin von Manu fährt.
Leider wurde uns kein präziser Ort genannt und wir musste aus mehreren Orten auf gut Glück einen auswählen, bei dem wir dann auch noch satte 2.5h warten mussten. Wir haben uns die Zeit aber mit einer Partie Schach vertrieben, was viele Menschen besonders Ältere anzog, die alle sehr bestaunt das Spielgetriebe begutachteten. Einige gaben Tipps aus Spielen, die sie kannten, u.a. auch Dame, Schach war den Meisten aber glaube ich kein Begriff… Als dann endlich der Taxifahrer kam, gab es großen Stress, da er auf einem privaten Taxistand geparkt hatte, nur nach großer Diskussion, denn er hatte extra deswegen einen Passierschein beantragt, konnten wir dann unter Stunk der anderen Taxifahrer in Richtung Ghana aufbrechen.
Der Grenzübergang sollte die nächste große Hürde sein, die überwunden werden musste. Der Taxifahrer ist noch nie mit Weißen über die Grenze gefahren und hatte dementsprechend keine Ahnung was man alles als visumspflichtiger Mensch machen muss, denn Einheimische dürfen im ganzen Westen Afrikas frei und ohne Visa reisen. Wir sind ohne jeglichen Stempel aus Togo ausgereist und auch ohne große Probleme durch die Zollkontrolle von Togo gekommen, bis uns der Fahrer aber erklärt hatte, dass wir noch nicht in Ghana sind, und noch nicht illegal ohne Stempel eingereist sind vergingen einige schweißgetriebene Momente…  Dann noch durch die Zollkontrolle von Ghana und dann schlussendlich zum Immigrationsservice von Ghana.
Zu Erst wurde uns gesagt, wir hätten gar kein Visum für Ghana. Nachdem wir darauf bestanden haben, dass wir extra nach Lomé gereist sind, um das Visum zu beantragen und es ihnen im Pass gezeigt haben, konnten sie nichts mehr sagen. Kurze Zeit später, kam die junge Dame wieder und sagte das Visum sei nicht gültig, da kein Ablaufdatum angegeben sei, obwohl ganz klar auf dem Visum stand, dass man innerhalb eines Monats nach Ausstellung des Visums nach Ghana einreisen kann und es ab Einreisedatum für 30 Tage gültig ist. Dem sei nicht so, es sei nicht so einfach, sie wolle uns aber helfen. Ich wurde nach Draußen bestellt; sie wollen 1.5 dafür dass sie uns rüber lassen. 1.5 CEDI? Also 0.40 €? Das ist okay, aber ich habe nur großes Geld, der Taxifahrer soll das erst mal auslegen und wir verrechnen dass dann später. Okay nun noch tausend Sachen ausfüllen und da wir ja ach so gute Freunde sind sollte ich noch meine Adresse extra auf einen Zettel schreiben, sodass wir uns bald wiedersehen. Es sollte sich herausstellen, dass 1.5 150 Cedi (35€) bedeuten sollte, schlussendlich haben wir 100 Cedi also 25 € bezahlt, woher sollte ich so etwas auch wissen…?
Endlich ging es nach fast 2 Stunden weiter. Das nächste Hindernis sollte ein Fluss sein: „Wo sollen wir denn nun langfahren?“ fragte ich. – „Naja einfach durch den Fluss“ sagte der Taxifahrer. Mit Huggeln und Schuggeln sind wir Stück für Stück durch den kleinen Fluss gefahren, um auf eine felsige Straße zu gelangen, bei der es sich mehr um Fels als um Straße handelte. Wir haben uns wohl nicht den besten Grenzübergang ausgesucht, viele Leute, geschweige denn Weiße kommen da eher nicht lang…
Die Ankunft in Nakpanduri war wie bei einer RTL-Show, denn Manu und Theresa (seine Freundin)hatten sich seit 5 Monaten nicht mehr gesehen. Alle stiegen aus und sie rannten sich in die Arme und wirbelten im Kreis. Das dazu, auf jeden Fall wurden wir sehr nett aufgenommen. Die nächsten paar Tage vergnügten wir uns mit Spaziergängen durch die Umgebung, auf dem Markt und haben die Schulen besucht, bei denen die zwei Mädchen arbeiten (Rahel, das zweite Mädchen, wohnt mit Theresa zusammen). Sie betreuen auch Waisen bei sich zu Hause. An Silvester haben wir zuerst in der Kirche mit lautem Gesang und Tanz und später im Stillen bei uns im Haus gefeiert, denn es gibt eine Ausgangssperre ab 22:00 Uhr, da es blutige Stammesstreitigkeiten über Land gab. Wir konnten gleich zweimal „reinfeiern“ einmal nach Deutscher und einmal nach Ghanaischer Zeit. Ich bin sogar mit meinem Anruf nach Deutschland um Mitternacht gut durchgekommen. Also ganz anders, ohne Dinner for One und Bleigießen, aber trotzdem war es schön. Am Morgen ging es wieder in die Kirche und abends sind wir zu einigen „Spots“(Bars) gegangen. Es waren Himmel und Menschen auf den Straße, Hunderte wenn nicht Tausende Menschen waren unterwegs. Das habe ich so noch fast nie erlebt. Wir haben uns nett unterhalten und waren Tanzen, das ist aber auch eine Erfahrung, denn als einziger Weißer schauen einen alle ganz gespannt zu wie und was man so tanzt… Ab 21:30 Uhr ging dann die Musik aus und die Lichter an und alle machten sich auf den Heimweg, bevor die Polizei auf die Straßen kommt…
Am nächsten Tag sollte eine Neujahrsparty für die Kinder des Waisenhauses stattfinden.  Eine ernsthafte Moralfrage stellte sich mir in den Weg, denn was veranstaltet wurde, war ein Esswettbewerb, bei dem jeweils drei Kinder die Aufgabe hatten u.a. Brot, Melonen, Orangen, Cola , Kekse o.ä. nach einem Startsignal so schnell wie möglich zu verschlingen. Die Kinder haben dieses Spiel geliebt und haben sich die kreativsten Techniken ausgedacht, wie man effektiv schnell essen bzw. trinken kann… Für mich ein eher fragwürdiges Spiel, da viele der Kinder nicht immer viel zu Essen haben und hier dann auf Geschwindigkeit und Druck essen und trinken sollen… Weiterhin gab es einen Tanzwettbewerb, bei dem immer zwei Kinder gegeneinander getanzt haben. Am Ende wurden auch Manu und ich zum Tanzaufgefordert; die Kinder haben laut gejubelt, als wir getanzt haben.
Am nächsten Morgen sind wir schon um 4 Uhr aus dem Haus, genau als die Ausgangssperre zu Ende war. Mit all unserem Gepäck zur Bushaltestelle. Dort mussten wir erfahren, dass der Bus nach Tamale schon losgefahren war, obwohl Ausgangssperre war. Ich hatte mich ja schon auf einen weiteren Tag in Nakpanduri eingestellt, als noch 2 kleinere Busse mit Ziel Tamale ankamen und auch noch genügend Platz für alle vorhanden war.
Die Ankunft in Tamale war wirklich beeindruckend. Auch wenn wir mit einer beeindruckenden Staubschicht bedeckt waren, eine Klimaanlage gab es nicht, und so konnte der Staub der Straße einfach durch die Fenster hereinströmen. Wir waren eine Großstadt einfach nicht mehr gewohnt. Die Straßen waren voll mit Menschen und an dem Busbahnhof, an dem wir ankamen, waren geschätzte 500 Busse und hunderte Taxis, es wurde wild gehupt, gemischt mit Verkäufern, die ihre Waren verkaufen wollten.
Nach dem wir Geld abgehoben, ein wenig gegessen und getrunken hatten, holte uns ein Freund ab und wir sind zusammen mit einem befreundeten Taxifahrer von ihm, Nash, zu einem günstigen Hotel gefahren… Wie sich herausstellte, war das wohl auch ein Stundenhotel… Naja dafür aber günstig und sogar mit Fernseher. Wir sind dann noch in das Kultur Zentrum gefahren, wo wir einige Deutsch-Ghanaer getroffen haben und ich mein T-Shirt bedrucken lassen hab. Es ist war wirklich erstaunlich, wie viele auch in Ghana eine hohe Meinung der Deutschen haben und sogar ein bisschen Deutsch sprechen… Abends waren wir noch in einem Restaurant essen, es gab Humus, welches auch sehr gut geschmeckt hat. Das war mal eine gewisse Abwechslung gegenüber Pât, Fufu, Spaghetti, Reise o.ä.
Nun sollte es also in den Mole national Park gehen, 4000 km² Schutzgebiet im Norden von Ghana. Wir hatten unserem Taxifahrer einen guten Preis ausgehandelt. Um 5:30 Uhr sollte es losgehen, wir waren dann auch schon gegen 9:00 Uhr im National Park, wo wir einen Guide für zwei Stunden Laufsafari gebucht haben für 2.50 € pro Stunde. Gleich als wir losgehen wollten, haben wir den ersten Elefanten gesichtet. Nach ein paar Minuten Laufen, haben wir große Fußabdrücke gesehen und sind dann an einen kleinen See gekommen, wo bestimmt 4 Elefanten gebadet haben. Dass war faszinierend. Noch spannender sollte es werden, als zwei junge Elefanten ihren Vater getroffen haben und später noch eine zweite Elefantenfamilie hinzu kam. Alle haben sich mit den Rüsseln begrüßt und freudig gespielt. Erstaunlicher Weise, waren einige Elefanten tief schwarz und dass sie fast 16 Stunden am Tag essen wusste ich auch nicht. Weiterhin haben wir ein Krokodil, ein paar Antilopen, Affen und kleine Nilpferde sehen können. Danach haben wir noch die älteste Moschee in Ghana besucht.
Der nächste Tag sollte Tag 100 in West Afrika sein und unsere Reise sollte weiter nach Kumasi fortgesetzt werden. Um 6 Uhr saßen wir im Bus, der uns in 6 Stunden zu einer Businness-Metropole im Herzen Ghanas bringen und uns alle den Atem nehmen sollte. Überall wurde gebaut, waren Hochhäuser, Geschäfte und viele teure Autos. Wir wurden von einem Freund eines Freundes abgeholt und nachdem sein Auto repariert war hat er uns die Uni in Kumasi gezeigt, mit Schwimmhalle, Golf, Fußball und Basketballplatz. Nachdem wir in unserem Hotel unsere Sachen abgelegt hatten, sind wir noch kurz durch die Straßen gezogen, ein Bankenviertel mit Sicherheitspersonal an jeder Ecke, und haben Reis mit Spaghetti für 2 Cedi, ca. 50 ct gegessen. Davon wird man schon satt.
Am nächsten Tag wollten wir uns den legendären Markt von Kumasi anschauen und wir sollten nicht enttäuscht werden. Ein ganzer Stadtteil nur Markt. Wenn man einmal drinnen ist, kann man leicht die Orientierung verliere. Doch das kümmerte uns in diesem Moment nicht, denn es gab einfach alles. Tier, ob lebendig oder Tote getrocknete Chamäleons über Taube, Hühner oder Hasen, Anziehsachen, Schuhe, Essen, Fernseher, Kühlschränke u.v.m. einfach alles. Aber nicht nur in diesem Marktviertel war alles voller Markt, sondern auch auf den Straßen; ein riesiger Flohmarkt.
Eine weitere Sache hat mich überrascht, denn ich habe mir eine Sim-Karte gekauft. Also bin ich an einen Stand gegangen, fragte ob ich eine Sim Karte kaufen könnte, die Antwort war ja, welchen Anbieter? Airtel. Das macht dann 3 Cedi (0.75 ct). „Wo muss ich unterschreiben?“, fragte ich. Nein aktivieren müsste man nichts. Eingelegt, angemacht, aufgeladen und los geht’s. So einfach kann das Leben sein!
Abends hat sich ein großer Bus bei unserem Hotel niedergelassen um dort zu Zelten. Wie sich zeigte, waren das 19 Menschen aus aller Welt, die eine 40 Wochen Afrika-Reise von Marokko über Kapstadt bis nach Kairo machten. Mit dem Bus fahren sie und abends wird im Bush gecampt. Wir haben uns gut bei ein paar Bieren am Abend unterhalten, viele kamen aus England oder Schottland, aber auch Spanien, Japan und Brasilien.   
Das Aschanti Museum am nächsten Morgen, sollte meine letzte Station in Kumasi sein. Dort haben wir alles über das Leben der Aschanti Könige erfahren. Das interessanteste war, dass die neuen Könige nicht die Kinder des Königspaares sind, sondern nur direkte Nachfahren der Mutter des alten Königs sein können, also z.B. der Bruder des Königs. Dann sollte es weiter nach Accra gehen, dort treffe ich mich mit einem Ghanaischen Freund, den ich bei meinem Auslandsjahr in den USA kennengelernt habe. Die Anderen der Reise-Gemeinschaft sind weiter nach Cape Coast in den Süde-Westen gefahren.
Auf dem Weg nach Accra habe ich Rudolf kennengelernt, einen Informatikstudenten der Universität zu Accra. Er war sehr nett, und wir haben uns über Programmiersprachen und zukünftige Technologien unterhalten. In Accra angekommen, habe ich meinen Freund Kwami angerufen und wir haben uns einen Treffpunkt ausgemacht. Eine große Busstation. Bald kam er und wir sind mit einem TroTro (Minibus) zur AFS Zentrale Ghana gefahren, das ist die Austauschorganisation mit der wir beide in den USA waren. Nachdem wir gegessen, im Internet gesurft sind  und der Nachmittagsverkehr abgeklungen ist, konnten wir los. Nachdem wir zwei Mal zwischen Bussen umgestiegen sind und einen kleinen Fußmarsch hinter uns hatten, sind wir bei dem zweistöckigen Haus von Kwami angekommen. Kühlschrank, Mikrowelle, Waschmaschine und vor allem warmes Wasser aus dem Hahn, das ist schon großer Luxus hier.
Die nächsten paar Tage haben wir Accra touristisch erkundet. Im National Theater haben wir eine Führung bekommen, haben das Accra Sport Stadium gesehen, den Indepenence Arc und Square, waren am Strand, waren im Kunst Zentrum zum Kwame Memorial, der erste Präsident von Ghana, haben das National Museum besucht, in dem viel über die Kolonialzeit von Ghana erzählt wurde und auch nationale Künstler ausgestellt waren. Wir waren in einer Mall und haben den Hobbit in 3D geschaut, waren auf einem Leuchtturm in Jamestown, von dem man über ganz Accra schauen konnte, haben den traditionellen Fischfang erleben können und haben die größte Mall in West Afrika besucht. Dies alles war mit vielen neuen Begegnungen mit anderen Deutschen und ihren Familien verbunden, interessanten Gesprächen über die Bildungspolitik mit Kwamis Vater und vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen. Am letzten Tag hat mir Kwami noch seine Schule gezeigt, ein riesiges Gelände mit vielen Gebäuden, auf dem sowohl Lehrer als auch Schüler zusammen leben. Eine genaue Kopie einer Britischen Schule, gebaut im Jahre 1924. Auf die Schule sind auch viele Präsidenten West Afrikas gegangen und Barack Obama hat dort bei einem Besuch Golf gespielt.  
Eine Begegnung mit der Polizei möchte ich kurz näher erläutern. Die Ampeln waren ausgefallen und deswegen gab es Polizisten, die den Verkehr geleitet haben. Ein nicht eindeutiges Zeichen hat uns über die Kreuzung gebracht, doch wie uns mitgeteilt wurde war es uns nicht erlaubt, der Polizist wollte uns mit auf das Revier nehmen, wir waren aber auf dem Weg zur japanischen Botschaft, denn Kwamis Vater musste ein Visum für Japan beantragen. Nach kurzer Diskussion und der Erklärung, dass wir Mitglied im Parlament sind, stieg ein andere Polizist ein und nachdem man etwas Geld in die Hand gedrückt hatte auch schon wieder aus… Verkehrsdelikte werden so oder vor Gericht gelöst, wurde mir mitgeteilt…
Meine Reise kam langsam dem Ende entgegen, doch die Rückfahrt stand ja noch an und nachdem ich eher schlechte Erfahrungen an der Grenze gemacht hatte, war ich besonders Aufgeregt. Noch dazu kam, dass ich diesmal auf mich allein gestellt war. Auf der Bank vor mir, saß ein Mann, es stellte sich her raus, dass er zur Hälfte Italiener ist und Mario heißt. Er wollte auch nach Lomé fahren und hat das schon oft gemacht. Im Grenzdorf Aflao angekommen ging die Tür mehrmals auf und viele Menschen riefen, ob man über die Grenze wolle, ich schaute nur zu Mario, der mit dem Kopf schüttelte. Bin ihm einfach hinterher gelaufen und hatte keine Probleme bei der Grenze, obwohl ich alleine einen Ausreisestempel abholen musste, er hatte die togoische Staatsbürgerschaft und musste deswegen nichts ausfüllen. Dann plötzlich ein „Bon Arrivé“ und ich wusste ich bin wieder im guten alten Togo ein Anderer rief „MahnSchaffte“ und „Deäutchelohnde“., Mario hatte auf mich gewartet und hat mich an etlichen Taxifahrern vorbei in ein Auto gebracht. Ich hatte ihm erzählt ich müsste noch nach Kpalimé fahren und als ich den Fahrer fragt, wie teuer es wohl zu der Taxihaltestelle sei stellte sich her raus, dass das Auto Mario gehört und es sein Bruder ist der fährt! Das war ja toll und so nett, dass sie mich noch bis zur Station gefahren haben.




Das Taxi nach Kpalimé sollte sich nur schwer füllen und so sind wir nicht für die ganze Zeit zu viert auf der Rückbank gefahren, was ganz angenehm war. Gegen 21:00 Uhr sollte ich dann endlich in Kpalimé ankommen und ich bin müde nach Hause gelaufen, wo mich schon ein kleines Abendbrot und danach mein Bett erwartete.
So nun habt ihr einen kleinen Schwenk aus meiner knapp zwei Wöchigen Reise durch Togo und Ghana gelesen. Ich hätte noch vieles mehr erzählen können. Doch dafür habe ich hier keinen Platz mehr und ich denke die wichtigsten Erlebnisse habe ich geschildert. Die Stadt und Menscheneindrücke kann ich nicht mal in Worte fassen, daher hoffe ich, dass einige der Bilder dies zum Teil verdeutlichen. Weiterhin hatten wir fast jeden Tag mit neuen lokalen Sprachen zu tun, auf was ich leider auch nicht eingehen konnte. Ich hatte eine wahnsinnig gute Zeit und freue mich jetzt umso mehr weiter in meinem Projekt zu helfen und neue Ideen in die Wirklichkeit umzusetzen. Dank ihrer Hilfe, war es mir möglich Land und Leute kennenzulernen und somit mein Verständnis über die Kultur und einigen regionalen Unterschieden auszuweiten.
Danke für eure Zeit und Unterstützung!
Sebastian Thalheim.

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen