23.09.2015

Abschlussbericht von Sebastian Thalheim September 2014 bis März 2015 in Kpalimé, Togo bei AGERTO

Ein aufregendes halbes Jahr in Togo, mit vielen neuen Eindrücken, Erfahrungen, Menschen und Kultur geht zu Ende und ich Blicke mit Freude auf diesen Teil meines Lebens zurück. Ich habe hier die Chance bekommen Menschen auf ihrem Weg in eine gesicherte Zukunft zu begleiten und konnte meinen kleinen Beitrag leisten, um dies zu ermöglichen. Aber nicht nur die Arbeit sondern auch die neue Kultur hat mir viele neue Aspekte des Lebens offenbart. So zum Beispiel das Wäschewaschen von Hand oder das Eimerduschen aus dem Brunnen, der fast tägliche Stromausfall oder das Handeln auf dem Markt und mit den Motorradfahrern. Es wurde mir vor Augen geführt, mit wie wenig die Menschen auskommen müssen, aber auch können; wie kreativ und trotz alledem lebensfroh Mensch sein kann. Vor alledem habe ich gemerkt, wie wichtig die Familie ist, um in Zeiten der Not zu unterstützen. All dies vor dem Hintergrund der eigenen Integration bzw. dem Versuch dazu. 

Bevor ich nach Togo gekommen bin habe ich versucht alle Vorurteile und Erwartungen abzubauen. Trotzdem war ich mir ein wenig unsicher, inwiefern ich überhaupt von Nutzen sein könnte und wie ich mit der doch fremden Sprache Französisch zu Recht kommen sollte. Weiterhin hatte ich die Vorstellung, dass es immer extrem Heiß sein und es in der Regenzeit wohl immer regnen müsste. 

Bei meiner Ankunft in Lomé saß mir die Angst von Ebola noch im Nacken. Es war dunkel und sehr warm. Die Menschen waren alle für mich fremd, schwarz und sprachen eine unbekannte Sprache. Ich fühlte mich allein und hatte keine Ahnung, was ich in Togo machen könnte. Dies sollte sich aber bald ändern. Denn sobald ich in Kpalimé ankam und vom Präsidenten AGERTOs Messan herzlichst begrüßt wurde, waren meine größten Ängste schon verflogen. Er war auch eine große Hilfe, da mein Französisch wirklich zu wünschen übrig ließ. Dann hatte ich auch noch eine andere Freiwillige Tjada an meiner Seite, die mich ebenso mit ihrem Französisch unterstützt hat. Auch meine Gastfamilie stellte sich als sehr freundlich und hilfsbereit heraus. Zum Glück sprachen sie auch teilweise Englisch, sodass ich bei großer Not trotzdem verstanden wurde. 

Die Arbeit im Projekt ging auch gleich sehr abenteuerlich los, denn in einem kleinen Dorf in der Umgebung war AGERTO dabei einen Wasserturm für ein Krankenhaus zu bauen. Dort haben wir Interviews geführt und Berichte mit Fotos für die Spender in Deutschland verfasst. Ich war froh, dass ich eine Aufgabe zugeteilt bekommen hatte. Später sollte ich auch mehr Freiheiten haben, und eigene Projekte umsetzen. Gleich am ersten Wochenende ging es in die Hauptstadt und dort zur Deutschen Botschaft anlässlich des Tages der Wiedervereinigung. Dort habe ich viele andere Freiwillige getroffen und die anfängliche Isolation sollte sich bald auflösen, denn in und um Kpalimé gab es um die 20 Freiwilligen aus Deutschland. 

In Kpalimé hatte ich ungefähr 10 Minuten zu Fuß (und bald nur noch 3 Minuten mit dem Fahrrad) entfernt ein eigenes Zimmer. Ein Bett und ein Schreibtisch standen schon darin und ich habe mir alles ein bisschen gemütlich eingerichtet: kleine Teppiche, ein neues Lacken, eine Verteilersteckdose und ein Mückengitter. So ließ es sich Leben, abends habe ich mit meiner Gastmutter Angèle und meinem kleinen Gastbruder Enoch zu Abend gegessen. Es gab meist Pâte(Maismehlbrei), Fufu (Yamsbrei), Spagetti, Omlet o.ä. sehr oft auch mit Fisch jeder Art. Auch in Deutschland hatte schon nicht so gerne Fisch gegessen und nach zwei Monaten, bat ich die Familie keinen Fisch mehr für mich zu machen, was auch teilweise funktioniert hat, obwohl natürlich Fischsoßen ohne Fischstücken immer noch nach Fisch schmecken… 

Eine weitere große Aufgabe war das Erstellen von Quittungen und Kostenvoranschlägen für Diverse Partner und Käufer. Mit der Zeit habe ich immer weniger direkte Aufgaben zugeschrieben bekommen und konnte anfangen eigene Ideen und Projekte durchzusetzen. Anfangs haben wir aktiv versucht Spender für verschiedene Projekteideen zu finden. So z.B. für eine stabile Internetverbindung, Software, Schuldabzahlung des eingestürzten Dachs, Essen für die Lehrlingen, Mindestlöhne u.v.m. Dies stellte sich aber als sehr ineffizient dar. Denn keine einzige Firma, Privatperson o.ä. hat sich für uns eingesetzt. Nur schon bestehende Partner, wie der Togo-­‐ Hilfe e.V. Rheinbach hat Projekte unterstützt. 

Im Garten haben Tjada und ich neue Beete mit den Lehrlingen angelegt und bepflanzt, die den Jugendlichen, die dreimal in der Woche eine warme Mahlzeit im Zentrum erhalten, zur Selbstversorgung dienen soll. Immer mittwochs wird im Garten gearbeitet und jeden Morgen muss gegossen werden. Dies zu organisieren war nicht immer einfach, aber wir hatten auch Unterstützung von einigen Lehrern. 

Die Webseite war ein weiteres großes Arbeitsfeld von mir. Diese war schon lange veraltet und sowohl Design als auch Struktur und Inhalt mussten komplett neu überarbeitet werden. Ein weiterer großer Makel war, dass es keine einheitliche Mehrsprachigkeit für Deutsch, Englisch und Französisch gab. Darum habe ich ein neues Konzept für die Webseite entwickelt und dieses nach einer Einarbeitungs-Phase auch in die Tat umgesetzt. Das Übersetzen der Webseite wird aber noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. 

Weiterhin haben wir den Lehrlingen Französisch‐ und Computerunterricht angeboten. Ich habe mich aktiv um den Computerkurs gekümmert. Es stellte sich als echte Herausforderung dar, denn viele der Lehrlinge saßen noch nie vor einem Computer. Auch die Disziplin ließ anfangs zu wünschen übrig, denn mein Französisch war noch nicht gut genug und einige der Lehrlinge konnten selbst kaum Französisch. Ich habe mir deshalb Hilfe von unserem Computerfachmann geholt, der mit mir gemeinsam die Lehrlinge an Microsoft Word und das Internet herangeführt hat. Ich war erfreut, wie schnell und wissbegierig die jungen Menschen das gezeigte aufnahmen. So z.B. die erste Bildersuche nach Kleidung oder Möbeln ließ einige Begeisterung aufkommen. Schier unbegrenzte Inspiration. 

Des Weiteren habe ich angefangen einen Stadtplan für die zukünftigen Freiwilligen zu entwerfen und mit den wichtigsten Informationen zu versehen. Auch eine Mappe mit Tipps und Tricks für zukünftige Freiwillige soll den Einstieg erleichtern. 

Rechts: Tjada Mitte: Thomas
Im Team haben wir ständig überlegt, wie wir dem Projekt noch weiter helfen könnten und wollten eine Hühnerfarm bauen, um die Jugendlichen mit Nahrung zu versorgen und da der Garten schon recht gut lief, habe wir dies kurzerhand auch umgesetzt. Da es an der Finanzierung mangelte, habe ich überlegt, wie wir ein wenig Unterstützung bekommen könnten und habe nach einiger Planung ein kleines Video gedreht, in dem ich aufgerufen habe Hühner für Togo zu spenden. 100€ war mein Ziel, aber nach nur zwei Wochen waren es schon über 500€ an Spenden. Das hat mich sehr gefreut! Zum Ende des Dienstes haben wir noch Verstärkung von Thomas Krahl bekommen, der schon früher für 1,5 Jahre Freiwilliger im Projekt war. Das war auch gut für mich, da ich ihm einige Aufgaben übertragen konnte, die ich auf Grund der kurzen Zeit nicht mehr ganz beenden konnte. 

Die zwei Wochen in Ghana über Silvester und eine Woche in Benin haben mir einen guten Eindruck in die westafrikanische Welt gegeben. Am Ende blicke ich auf eine spannende Erfahrung mit vielen neuen Eindrücken, Menschen, Musik, Kultur und Reisen zurück. Am Anfang war alles neu, anders und mit Angst verbunden nun liegt mir die Reggea Musik am Herzen, die vielen netten und offenen Menschen werden mir fehlen und auch meine Gastfamilie und die anderen Freiwilligen. Ich wünsche allen viel Erfolg und viel Glück für die Zukunft! 

Euer Sebastian.

Bericht über die Reise nach Benin vom 07.03 bis 14.03.2015

Die Beninreise sollte die letzte Reise in Westafrika sein, bevor ich wieder zurück nach Berlin fuhr. Es war gar nicht so einfach ein Visum für Benin zu bekommen, da sie gerade zum neuen Jahr ihre Einrei-­‐ sebedingungen verschärft hatten und man nun eine schriftliche Bestätigung eines Hotels brauche und noch einige komische Dinge ausfüllen sollte. Wir haben das Visum aber bekommen und sind mit 3 Mädchen und 3 Jungs nach Grand Popo gefahren, das ist ein kleines Dorf an der Grenze zu Togo in Benin. Die Mädchen sind schon weitergefahren, und wir sollten sie erst in ein paar Tagen wieder sehen. 


 In Grand Popo haben wir eine Bootstour in einem ausgehöhlten Baumstamm gemacht und haben ein Voodoo Dorf besucht. Das war wirklich spannend, denn dort standen ein paar „Fetische“ herum, die für den Schutz des Dorfes sorgen sollten. Abends haben wir in der Lions Bar, wo wir auch geschlafen haben Skat gespielt und bei einem Lagerfeuer am Strand entspannt. Wir haben dort auch eine andere Freiwillige aus Kpalimé(Togo) getroffen und haben uns kurzerhand als Reisegruppe mit ihrem Freund zusammen getan und sind am nächsten Tag zusammen nach Quidah mit dem Taxi gefahren. Dort haben wir eine Tour über den Sklavenweg gemacht, denn in Benin wurden sehr viele Sklaven nach Lateinamerika verschleppt. Am Ende des Weges kamen wir an das Tor of no Teturn. Anschlie-­‐ ßend sind wir noch zum Python Tempel gefahren, wo heilige Königskobras um den Hals gelegt wer-­‐ den konnte... Ein wenig Respekt hatte ich schon, aber die Schlangen waren sehr friedsam. 


Am nächsten Tag ging es weiter nach Cotonou, der inoffiziellen Hauptstadt Benins. Über einen Freund eines Freundes, haben wir Jus kennengelernt. Ein wirklich interessanter Mensch, denn er machte gefühlte hundert Dinge auf einmal und war damit auch noch sehr erfolgreich u.a. als Nationaltrainer der Volleyballmannschaft, Solarpanelinstallateur, Fußball Akademiebesitzer, Kampfkünstler uvm. Wir sind mit ihm essen gegangen und er hat uns eingeladen. Am Nachmittag sind wir nach Ganvié, das Venedig Westafrikas. Das war wirklich eine schöne Erfahrung und wirklich erstaunlich, wie all die Häuser auf dem Wasser wohl errichtet worden waren. 
Am Abend sind wir dann zur Villa von Jul gefahren. Ein wirklich schönes Haus und es gab warmes Wasser, eine Mikrowelle und einen Kühlschank. Davor hatten wir uns bei strömendem Regen über Politik in Afrika unterhalten und u.a. über die Vereinigten Staaten von Afrika. Sehr interessante Ansätze. Nach dem ausführlichen Fernsehgenuss ging’s dann ab ins Bett mit Klimaanlage. 



Früh sollte es am nächsten morgen nach Porto Novo der Hauptstadt Benins losgehen. Manou, ein anderer Freiwilliger, der mit Gehörlosen arbeitet wollte unbedingt zu einer Schule, die dort Gehörlose und Hörende zusammen unterrichtet. Das war wirklich eine spannende Sache, denn die Lehrer haben unterrichtet und dann haben die hörenden Schüler alles für die nicht Hörenden übersetzt. Anschließend haben wir ein Museum über den Afrobrasilianischen Einfluss angeschaut und waren in einem sehr interessanten Naturschutz-­Nachhaltigkeits-­Projekt Von Tierzucht, über Landwirtschaft bis hin zu Biodieselproduktion war alles in einem großen Kreislauf auf Nachhaltigkeit ausgelegt. Dann mussten wir zurück nach Cotonou, da wir dort morgen früh zusammen mit den Mädchen in den Norden von Benin fahren wollten. 

Leider hatten wir am Vorabend etwas schlechtes gegessen und daher ging es mir am morgen nicht besonders gut. Nachdem wir beim Bus die Mädchen getroffen ha-­‐ ben und auch endlich den richtigen Bus plus Tickets gefunden hatten ging es los. Irgendwann habe ich es nicht mehr ausgehalten und musste mich übergeben, aber zum Glück hatte ich mir schon ein paar Tüten bereitgelegt. Danach stieg mein Fieber innerhalb einer Stunde von 37 auf 38,5°C und wir hatten keine Medikamente... Alle dachten ich hätte Malaria, ich aber war der festen Überzeugung, dass es sich nur um eine Magenverstimmung halte. Ich wurde vom Buspersonal ganz nach Vorne versetzt und ich bekam eine Paracetamol kurze Zeit später nahm das Fieber ab und mir ging es langsam besser. Die 14 Stunden Busfahrt vergingen sehr schleppend. Abend wurden wir in Tanguetta, wo uns Alfred, ein Deutscher, mit dem Jeep abgeholt hatte und uns auf eine sehr abenteuerliche Spritztour zum Hotel mitnahm. Mit 80 über die Schotterpiste, Stock und Stein, Hügel und Schlagloch als ob wir auf der Autobahn wären.

Den Besuch im Nationalpark, weswegen wir in den Norden fuhren haben wir um einen Tag nach hinten verschoben, da ich mich erst richtig auskurieren sollte. Die Nacht verging ohne Probleme und auch am morgen ging es mir hervorragend, kein hohes Fieber mehr und auch Appetit denn ich hatte am Vortag fast nichts gegessen und nur sehr wenig getrunken... 

Der Tag sollte entspannt werden, wir saßen am Quellwasserpool und haben den Spiegel gelesen und uns unterhalten. Abends gab es leckeres Essen und ich habe mich mit einem Deutschen Ingenieur Kurt unterhalten der Großprojekte in der Ölbranche realisiert. Das war sehr spannend. Wir sind nicht zu spät ins Bett denn morgen sollte es um 5:30 Uhr losgehen. 

Das war aufregend. Wir haben Nach einem kurzen Früh-­‐ stück den Guide Thoma abgeholt und sind dann auf dem Dach des Jeeps mit einer extra Sitzvorrichtung in den Park Pandjari gefahren. Dort haben wir schon bald die ersten Tiere gesehen. Antilopen, Affen und viele Vögel. Wir sind zu vielen verschiedenen Wasserlöchern gefahren und ha-­‐ ben dort u.a. Hippos und Krokodile sowie auch viele Elefanten gesehen. Wir waren den ganzen Tag unterwegs und haben mittags lecker Leberwurstbrote essen dürfen. Am Abend habe ich mich noch mit Alfred unterhalten, der mit seinem Backenbart wie ein alter Kolonialherr aussieht. Er ist Landmaschinentechnikermeister ist dann aber in die Entwicklungshilfe gegangen hat in Benin seine Frau kennengelernt und eine Tochter bekommen, dann hat er das Hotel übernommen und versucht nun irgendwie über die Runden zu kommen. 

Es war eine sehr intensive und spannende Zeit, ich war aber auch froh wieder zu Hause in Kpalimé zu sein und meine letzten Tage in Togo anzutreten.