Nun werde ich also nochmal etwas ausführlicher Bericht
erstatten, leider hatte ich so viel über den ersten Tag zu berichten, dass ich
es noch nicht weiter geschafft habe...

Es
war also der erste Arbeitstag. Ich bin aufgestanden, habe mich geschickt aus
dem Bett geschwungen und meine Füße auf den noch blanken kalten Steinboden
gestellt. Bald werde ich mir einen Teppich besorgen, sodass ich morgens noch
ein wenig im Sitzen ausharren kann. Meine Sachen liegen noch in den Koffern,
schnell ein T-Shirt und eine Hose ausgesucht und an den Schreibtisch mit Brot
und Tee gesetzt; das Frühstück bereite ich mir mit dem Messer, welches ich aus
Deutschland mitgebracht habe, das Brot wird geschnitten und mit der Butter, die
eigentlich Margarine ist bestrichen und der leicht süße Geschmack zergeht auf
der Zunge und wir mit dem Zitronengras Tee hinunter gespült. Jetzt geht’s ans
Duschen und Zähneputzen. In die Flip-Flops geschlüpft und nach Draußen. Dort
herrscht schon reges Treiben, es wird gewaschen, Musik schallt und es wird sich
unterhalten; ich werde nett Begrüßt und auf die Frage, ob ich gut geschlafen hätte
folgt mein zaghaftes „Qui“. Mit Duschgel, Zahnpaste, Zahnbürste, Handtuch und
Wasserflasche geht’s auf zur Dusche. Nun noch geschickt, balancierend das
Vorhängeschloss geöffnet und rein in die gute Stube. Zu Erst putze ich mir die
Zähne, denn ein Waschbecken gibt es nicht und mit dem Duschwasser kann ich dann
alles sauber hinterlassen. Als Wasser zum Ausspülen habe ich anfangs noch das
Flaschenwasser benutz, später soll ich erfahren, dass das gepumpte Wasser aus
dem Hahn wohl nicht gefährlich sei und problemlos zum Ausspülen des Mundes
genutzt werden kann. Nun läuft das Wasser kalt meinen Rücken herunter, etwas
Überwindung hat es schon gekostet, dass kalte Wasser aus dem Duschkopf auf den
noch kopfkissenwarmen Schopf zu gießen, doch erfrischen tut es allemal. Wieder
in meinem Zimmer, noch mit Sonnencreme und Insektenschutzmittel eingeschmiert
und los gehts
.
Es
ist jetzt 6:45 Uhr und Angèle steht schon vor meiner Tür, nun meinen Rucksack
auf den Rücken gepackt, mit Computer, Wasserflasche, etwas Brot und meinem
Schreibblock, und auf geht’s, mit schallender afrikanischer Handymusik in
Richtung AGERTO. Wir kommen an kleinen Marktständen vorbei, die Leute grüßen -
wir grüßen zurück. Viele haben keine Küche zu Hause und deswegen wird gerne das
Essen von den Frauen an der Straße gegessen.

Nun
endlich bei der Arbeit angekommen. Zum Morgenappelle wird um 7:30 die deutsche
und togolesische Flagge gehisst und dann jeweils die Hymnen gesungen, gar nicht
mal so schlecht.
Dann teilt mir Messan
mit, das es heute Auswärts Arbeit gibt; gleich ein neues Abendteuer. Wir fahren
nach Goudevé (ein Dorf im Norden von Kpalimé) zu einem Wasserturm, den AGERTO
mit Hilfe der Lehrlinge und einigen Schreinermeistern und Maurern baut. So ganz
klar ist mir meine Aufgabe noch
nicht,
aber das wird sich schon ergeben. Also rein ins Auto, ein Ford Geländewagen und
auf die wilden Straßen von Togo. Schlagloch um Schlagloch, vom Regen verspülte
Wege und hupende Motos gehören an die Tagesordnung. Aber nun fahren wir auf
einer gut ausgebauten Straße, welche von den Chinesen konstruiert wurde.

Beim
Wasserturm angekommen, wird klar: wir sind das Auge der Öffentlichkeit. Fotos
machen, den Arbeitsfortschritt dokumentieren und Interviews mit den Ärzten des
Krankenhauses führen, für welches der Wasserturm gedacht ist. Zum Glück kann
Tjada gut Französisch und kann die Fragen und Antworten verstehen.
Von Arbeitssicherheit ist nicht die Rede, fleißig wird auf dem hohen Gerüst aus Holzbalken herumspaziert und auch Messan erklimmt eine Holzleiter, die an den Turm angelehnt ist.

Es
gibt wohl keinen Richtigen Arzt nur Krankenpfleger und 12 000 Menschen nutzen
die Krankenstation als Anlaufstelle im Jahr. Es gibt keinen Platz für Betten,
sodass die Patienten zu Hause liegen müssen. Es gibt auch keinen
Krankentransport; wenn man also einen Unfall hat muss man auf Freunde und
Verwandte mit Autos und Motos setzten, die einen in das nächstbeste Krankenhaus
bringen. Ein total verfallenes Gebäude, welches früher mal als Krankenstation
genutzt wurde, wird nun von einer amerikanischen Freiwilligen und ihrer Familie
finanziert und langsam wieder auf Vordermann gebracht. Naja alles recht
ernüchternd, aber zum Glück gibt es einen ersten Lichtblick, denn mit dem
Wasserturm ist es nun möglich Krankheiten, welche durch Nutzung von schmutzigem
Wasser hervorgerufen werden entgegen zu wirken und auch die Hygiene im
Krankenhaus kann dadurch gesteigert werden. Zum Mittag, gab es bei strömendem
Regen Fufu, das ist gestampfter Jams mit einer Fleischsoße. Unter einer
Wellblechhütte wurde nach dem Waschen das Essen mit der Hand zu sich genommen.
Es ging
ganz gut und ist nicht so schwer,
wie etwa mit Stäbchen zu essen.

Danach
wollte Messan uns noch etwas ganz besonderes zeigen. Ich konnte meinen Augen
nicht trauen, denn was ich jetzt sehen sollte, hätte ich nicht für möglich
gehalten. Messan schloss die Pforte, die in einer großen Mauer mit Stacheldraht
bestückt ist auf, wir treten ein und ich stehe vor einer Villa mit
Springbrunnen, großen Fenstern und kleinen Säulen, die die Eingangshalle
schmücken. In jedem Raum gibt es einen gro

ßen Fernseher, weiterhin ist eine
große Küche mit Herd und Ofen und einen Whirlepool(!!) vorhanden. Bewohnt ist
das Haus nur 2 Wochen im Jahr. Nur ein Gärtner und ein Wächter sind noch dort. Es
wurde von einem reichen Togoläsen, der in Frankreich ein Umzugsunternehmen
leitet gebaut. Er soll sich aber sehr für das Dorf und vor Allem um die Kinder
gekümmert haben, so bezahlt er u.a. für 100 Schüler/innen das Schulgeld und
unterstützt auch sonst soziale Projekte. Ich fühlte mich wie in einer anderen
Welt, so viel Luxus bin ich auch aus Deutschland nicht gewöhnt.
Naja
vom Schrecken erholt ging es noch zu einer nahe gelegten Schule, dort haben sie
Messan gefragt, ob er helfen könne. Es soll ein Hort für die Kinder aufgebaut werden.
Dann ging es auf zurück nach Kpalimé. Ein
langer und anstrengender Tag sollte nun zu Ende gehen.
Abends
gab es noch Spagetti mit einer Fisch-Tomatensoße, neben her lief im Fernsehen eine
dramatische Familienserie auf Französisch, bei der ich leider nicht sehr viel
verstand. Nett verabschiede ging ich dann in mein Zimmer.
Müde
und mit vielen neuen Eindrücken und nachdem ich meinen Tagebucheintrag mit
schlaffer Hand geschrieben hatte, bin ich wieder unters Moskitonetz geschlüpft
und fiel bald in aufregende Träume von Villen und Wassertürmen…