18.11.2014

Besuch eines Waisenhauses




09. Oktober 2014


Heute habe ich zusammen mit Tjada Ingrid´s Waisenhaus besucht, dessen Gebäude Anfang diesen Jahres mit der Hilfe von AGERTO erneuert und eingerichtet wurden. In der Schreinerei entstanden in Rekordzeit Schulbänke, Fensterrahmen, Möbelstücke und vieles mehr, die jetzt noch einmal in Augenschein genommen werden. Kleinere Verbesserungen, wie zum Beispiel die Begradigung der Nachtschränkchen, werden nun in Angriff genommen. 



Messan hatte uns hingefahren und wir haben uns das Gelände angeschaut. Es gibt 5 Klassenräume und zwei große Gebäude für die Waisenkinder, um zum schlafen. Die Kindern bekommen vom Kindergarten bis zur 4. Klasse kostenlos Unterricht und werden jeden Tag bekocht. Besonders beeindruckt haben mich die vielen glücklichen Gesichter der jungen Menschen, die im Waisenhaus ein Zuhause gefunden haben. Sie sind alle zu uns gekommen und haben uns angefasst und wollten mit uns spielen. Es war wirklich eine schöne Erfahrung.

Tag der deutschen Einheit

3. Oktober - 1. Tag vom Wochenende in Lomé


Am 3. Oktober wurden wir zum Tag der Deutschen Einheit in die Deutsche Botschaft in Lomé eingeladen. 


Dazu hieß es mit dem Postbus nach Lomé. Der Postbus insofern sehr praktisch, da er halbwegs geregelte Abfahrtszeiten hat und man garantiert einen Sitzplatz für sich alleine bekommt. Dort sind wir zusammen mit 6 anderen Freiwilligen in ca. 2 Stunden nach Lomé, der Hauptstadt gefahren. Die Zeit ging ganz schnell vorbei, da wir uns alle noch nicht so gut kannten und es viel zu erzählen gab. 




In Lomé angekommen bin ich mit Simon(Freiwilliger) und Stan(Einheimischer) zusammen zu Stans Zimmer, welches er für seine Zeit in der Universität gemietet hat. Es ist ein kleines 5 m² großer Raum, aber es gibt einen Schreibtisch und ein Bett, sowie einen kleinen Esstisch, also alles, was man so zum leben braucht. Nachdem wir uns frisch gemacht haben gings schon los in Richtung Deutsche Botschaft. Ein Moto zu finden ist nicht schwer, aber dann noch einen angemessenen Preis zu bekommen nicht so einfach. Denn einen Weißen zur Deutschen Botschaft zu fahren geschniegelt und geschnagelt versteht sich schaut nach einer Goldgrube aus... Naja nun endlich sind wir angekommen. 

Nach einem großen Buffet, bei dem es Sauerkraut und Leberkäse gab und noch so manch anderes deftiges Essen, hat der neue deutsche Botschafter eine kurze Rede gehalten, bei der er die Wichtigkeit des Engagements der Freiwilligen in Togo betonte und zur Unterstützung aufrief. 
Auch Messan war anwesenden und hat sich dem neuen Botschafter vorgestellt.

Dann gab es noch einen Film "Zug in die Freiheit" der über die Züge aus den Botschaften nach Westdeutschland berichtete. Es waren sehr viele Freiwillige, bestimmt 100 anwesend und wir haben uns bei Speis und Trank gut unterhalten. Auch viele Angestellte der Botschaft und andere Funktionäre der ENtwicklungsarbeit wie die GIZ waren vor Ort.

Danach ging es noch in die Reggae Bar Sunset, wo wir bis spät in die Nacht gefeiert haben.


Spät in der Nacht sind wir dann bei Stan in tiefen Schlaf versunken und der 1. Tag in Lomé geht zu Ende.


Sebastian.

07.11.2014

Bericht erste–naja nur erster Arbeitstag

Nun werde ich also nochmal etwas ausführlicher Bericht erstatten, leider hatte ich so viel über den ersten Tag zu berichten, dass ich es noch nicht weiter geschafft habe... 


Es war also der erste Arbeitstag. Ich bin aufgestanden, habe mich geschickt aus dem Bett geschwungen und meine Füße auf den noch blanken kalten Steinboden gestellt. Bald werde ich mir einen Teppich besorgen, sodass ich morgens noch ein wenig im Sitzen ausharren kann. Meine Sachen liegen noch in den Koffern, schnell ein T-Shirt und eine Hose ausgesucht und an den Schreibtisch mit Brot und Tee gesetzt; das Frühstück bereite ich mir mit dem Messer, welches ich aus Deutschland mitgebracht habe, das Brot wird geschnitten und mit der Butter, die eigentlich Margarine ist bestrichen und der leicht süße Geschmack zergeht auf der Zunge und wir mit dem Zitronengras Tee hinunter gespült. Jetzt geht’s ans Duschen und Zähneputzen. In die Flip-Flops geschlüpft und nach Draußen. Dort herrscht schon reges Treiben, es wird gewaschen, Musik schallt und es wird sich unterhalten; ich werde nett Begrüßt und auf die Frage, ob ich gut geschlafen hätte folgt mein zaghaftes „Qui“. Mit Duschgel, Zahnpaste, Zahnbürste, Handtuch und Wasserflasche geht’s auf zur Dusche. Nun noch geschickt, balancierend das Vorhängeschloss geöffnet und rein in die gute Stube. Zu Erst putze ich mir die Zähne, denn ein Waschbecken gibt es nicht und mit dem Duschwasser kann ich dann alles sauber hinterlassen. Als Wasser zum Ausspülen habe ich anfangs noch das Flaschenwasser benutz, später soll ich erfahren, dass das gepumpte Wasser aus dem Hahn wohl nicht gefährlich sei und problemlos zum Ausspülen des Mundes genutzt werden kann. Nun läuft das Wasser kalt meinen Rücken herunter, etwas Überwindung hat es schon gekostet, dass kalte Wasser aus dem Duschkopf auf den noch kopfkissenwarmen Schopf zu gießen, doch erfrischen tut es allemal. Wieder in meinem Zimmer, noch mit Sonnencreme und Insektenschutzmittel eingeschmiert und los gehts
.

Es ist jetzt 6:45 Uhr und Angèle steht schon vor meiner Tür, nun meinen Rucksack auf den Rücken gepackt, mit Computer, Wasserflasche, etwas Brot und meinem Schreibblock, und auf geht’s, mit schallender afrikanischer Handymusik in Richtung AGERTO. Wir kommen an kleinen Marktständen vorbei, die Leute grüßen - wir grüßen zurück. Viele haben keine Küche zu Hause und deswegen wird gerne das Essen von den Frauen an der Straße gegessen. 

Nun endlich bei der Arbeit angekommen. Zum Morgenappelle wird um 7:30 die deutsche und togolesische Flagge gehisst und dann jeweils die Hymnen gesungen, gar nicht mal so schlecht.  Dann teilt mir Messan mit, das es heute Auswärts Arbeit gibt; gleich ein neues Abendteuer. Wir fahren nach Goudevé (ein Dorf im Norden von Kpalimé) zu einem Wasserturm, den AGERTO mit Hilfe der Lehrlinge und einigen Schreinermeistern und Maurern baut. So ganz klar ist mir meine Aufgabe noch  nicht, aber das wird sich schon ergeben. Also rein ins Auto, ein Ford Geländewagen und auf die wilden Straßen von Togo. Schlagloch um Schlagloch, vom Regen verspülte Wege und hupende Motos gehören an die Tagesordnung. Aber nun fahren wir auf einer gut ausgebauten Straße, welche von den Chinesen konstruiert wurde.
Beim Wasserturm angekommen, wird klar: wir sind das Auge der Öffentlichkeit. Fotos machen, den Arbeitsfortschritt dokumentieren und Interviews mit den Ärzten des Krankenhauses führen, für welches der Wasserturm gedacht ist. Zum Glück kann Tjada gut Französisch und kann die Fragen und Antworten verstehen.

Von Arbeitssicherheit ist nicht die Rede, fleißig wird auf dem hohen Gerüst aus Holzbalken herumspaziert und auch Messan erklimmt eine Holzleiter, die an den Turm angelehnt ist.

Es gibt wohl keinen Richtigen Arzt nur Krankenpfleger und 12 000 Menschen nutzen die Krankenstation als Anlaufstelle im Jahr. Es gibt keinen Platz für Betten, sodass die Patienten zu Hause liegen müssen. Es gibt auch keinen Krankentransport; wenn man also einen Unfall hat muss man auf Freunde und Verwandte mit Autos und Motos setzten, die einen in das nächstbeste Krankenhaus bringen. Ein total verfallenes Gebäude, welches früher mal als Krankenstation genutzt wurde, wird nun von einer amerikanischen Freiwilligen und ihrer Familie finanziert und langsam wieder auf Vordermann gebracht. Naja alles recht ernüchternd, aber zum Glück gibt es einen ersten Lichtblick, denn mit dem Wasserturm ist es nun möglich Krankheiten, welche durch Nutzung von schmutzigem Wasser hervorgerufen werden entgegen zu wirken und auch die Hygiene im Krankenhaus kann dadurch gesteigert werden. Zum Mittag, gab es bei strömendem Regen Fufu, das ist gestampfter Jams mit einer Fleischsoße. Unter einer Wellblechhütte wurde nach dem Waschen das Essen mit der Hand zu sich genommen. Es ging  ganz gut und ist nicht so schwer, wie etwa mit Stäbchen zu essen. 

Danach wollte Messan uns noch etwas ganz besonderes zeigen. Ich konnte meinen Augen nicht trauen, denn was ich jetzt sehen sollte, hätte ich nicht für möglich gehalten. Messan schloss die Pforte, die in einer großen Mauer mit Stacheldraht bestückt ist auf, wir treten ein und ich stehe vor einer Villa mit Springbrunnen, großen Fenstern und kleinen Säulen, die die Eingangshalle schmücken. In jedem Raum gibt es einen großen Fernseher, weiterhin ist eine große Küche mit Herd und Ofen und einen Whirlepool(!!) vorhanden. Bewohnt ist das Haus nur 2 Wochen im Jahr. Nur ein Gärtner und ein Wächter sind noch dort. Es wurde von einem reichen Togoläsen, der in Frankreich ein Umzugsunternehmen leitet gebaut. Er soll sich aber sehr für das Dorf und vor Allem um die Kinder gekümmert haben, so bezahlt er u.a. für 100 Schüler/innen das Schulgeld und unterstützt auch sonst soziale Projekte. Ich fühlte mich wie in einer anderen Welt, so viel Luxus bin ich auch aus Deutschland nicht gewöhnt.

Naja vom Schrecken erholt ging es noch zu einer nahe gelegten Schule, dort haben sie Messan gefragt, ob er helfen könne. Es soll ein Hort für die Kinder aufgebaut werden.
Dann ging es auf zurück nach Kpalimé. Ein langer und anstrengender Tag sollte nun zu Ende gehen.

Abends gab es noch Spagetti mit einer Fisch-Tomatensoße, neben her lief im Fernsehen eine dramatische Familienserie auf Französisch, bei der ich leider nicht sehr viel verstand. Nett verabschiede ging ich dann in mein Zimmer.

Müde und mit vielen neuen Eindrücken und nachdem ich meinen Tagebucheintrag mit schlaffer Hand geschrieben hatte, bin ich wieder unters Moskitonetz geschlüpft und fiel bald in aufregende Träume von Villen und Wassertürmen…